Stammkunde Marcel Wagner: Oft mit Fahrrad in der Bahn

 

Da lachte die Frau neben mir mit ...

Ich hatte noch nie ein Auto, insofern kann ich keinen Vergleich ziehen. Aber ich glaube, so fix würde ich damit nicht dorthin kommen, wo ich hin will.

Ausschlaggebend ist natürlich immer, wo man wohnt. Ich brauche nur ein paar Minuten bis zum S-Bahnhof Landsberger Allee. Dort steige ich in die Ringbahn, fahre bis Heidelberger Platz. Dann weiter mit der U-Bahn.

Mein tägliches Ziel ist die Freie Universität in Dahlem. Früh eine Stunde hin, nachmittags oder abends eine zurück. Über die Fahrtzeit kann ich mich nicht beklagen.

Als wir Studenten von der FU für das Sommersemester 2005 eine Zeitlang kein Studententicket hatten, bin ich die Strecke mit dem Fahrrad gefahren. Dafür brauchte ich sogar nur 35 Minuten.

Hab' mich selbst gewundert. Aber das ist keine wirkliche Alternative. In der S-Bahn sitze ich trocken, kann lesen oder dösen. Ich muss ja auch noch meinen Unialltag schaffen.

Marcel Wagner

Mit dem Transport des Fahrrads ist das so eine Sache. Ich nehme meines öfters mit und steige dann natürlich in ein dafür vorgesehenes Abteil. Es gibt aber keine Halterung für ein Rad. Man muss es anlehnen und kann sich eigentlich nicht hinsetzen, weil immer die Gefahr besteht, dass es umfällt. Bei zwei oder mehr Rädern wird's schon kritisch. Die Leute sind auch nicht gerade begeistert, wenn die Räder in der Nähe der Tür stehen.

Was ich nicht mag, ist, wenn so viele Menschen in den Zügen die Fahrgäste um Geld ansprechen, eine Zeitung anbieten oder Zettel vorzeigen. Wahrscheinlich kann die Bahn da auch nicht viel tun. Wenn jemand gut Gitarre spielt, gebe ich gern etwas.

Wenn man so lange wie ich schon S-Bahn fährt, dann kriegt man eine Menge mit. Ich sehe fast niemals die gleichen Gesichter, sondern jeden Tag neue. Das ist spannend, auch wenn die meisten nach unten schauen oder lesen. Jeder braucht eben seine Privatsphäre, klar. Es ist ein stummes Miteinander-Unterwegs- Sein. Aber immer noch besser als das "Berliner Fenster" in der U-Bahn. Alle schauen auf die Glotze, es ist, als würde man zu jemandem ins Wohnzimmer kommen. Ich finde das jedenfalls ganz schlimm.

Eine Sache in der S-Bahn fällt mir ein: Einmal las ich ein Buch von Mikael Niemi, der an einer Stelle so witzig beschrieb, wie einem Jungen auf einem Berg die Zunge festfror. Ich musste lachen, und da lachte die Frau neben mir mit. Solche kleinen Erlebnisse finde ich gut.

Ich hab's auch schon erlebt, mit welcher Bereitschaft die Fahrgäste halfen, als an einem sehr heißen Sommertag jemand umkippte. Aber das ist ja wohl selbstverständlich.


Weitere Links zu diesem Thema
--Informationen zum Fahrplan und Netz der S-Bahn Berlin
03.12.05 Stammkunde Andreas Hahn
03.11.05 Stammkundin Erika Angelbeck

Text:Michael-Peter Jachmann
Foto: D. Ulrich
  14.12.2005

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