Da lachte die
Frau neben mir mit ...
Ich hatte noch nie ein Auto, insofern kann ich keinen Vergleich
ziehen. Aber ich glaube, so fix würde ich damit nicht dorthin
kommen, wo ich hin will.
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Ausschlaggebend
ist natürlich immer, wo man wohnt. Ich brauche nur
ein paar Minuten bis zum S-Bahnhof Landsberger Allee. Dort
steige ich in die Ringbahn, fahre bis Heidelberger Platz.
Dann weiter mit der U-Bahn.
Mein tägliches Ziel ist die Freie Universität
in Dahlem. Früh eine Stunde hin, nachmittags oder abends
eine zurück. Über die Fahrtzeit kann ich mich
nicht beklagen.
Als wir Studenten von der FU für das Sommersemester
2005 eine Zeitlang kein Studententicket hatten, bin ich
die Strecke mit dem Fahrrad gefahren. Dafür brauchte
ich sogar nur 35 Minuten.
Hab' mich selbst gewundert. Aber das ist keine wirkliche
Alternative. In der S-Bahn sitze ich trocken, kann lesen
oder dösen. Ich muss ja auch noch meinen Unialltag
schaffen.
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Mit dem Transport des Fahrrads ist das so eine Sache. Ich nehme
meines öfters mit und steige dann natürlich in ein dafür
vorgesehenes Abteil. Es gibt aber keine Halterung für ein
Rad. Man muss es anlehnen und kann sich eigentlich nicht hinsetzen,
weil immer die Gefahr besteht, dass es umfällt. Bei zwei
oder mehr Rädern wird's schon kritisch. Die Leute sind auch
nicht gerade begeistert, wenn die Räder in der Nähe
der Tür stehen.
Was ich nicht mag, ist, wenn so viele Menschen in den Zügen
die Fahrgäste um Geld ansprechen, eine Zeitung anbieten oder
Zettel vorzeigen. Wahrscheinlich kann die Bahn da auch nicht viel
tun. Wenn jemand gut Gitarre spielt, gebe ich gern etwas.
Wenn man so lange wie ich schon S-Bahn fährt, dann kriegt
man eine Menge mit. Ich sehe fast niemals die gleichen Gesichter,
sondern jeden Tag neue. Das ist spannend, auch wenn die meisten
nach unten schauen oder lesen. Jeder braucht eben seine Privatsphäre,
klar. Es ist ein stummes Miteinander-Unterwegs- Sein. Aber immer
noch besser als das "Berliner Fenster" in der U-Bahn.
Alle schauen auf die Glotze, es ist, als würde man zu jemandem
ins Wohnzimmer kommen. Ich finde das jedenfalls ganz schlimm.
Eine Sache in der S-Bahn fällt mir ein: Einmal las ich ein
Buch von Mikael Niemi, der an einer Stelle so witzig beschrieb,
wie einem Jungen auf einem Berg die Zunge festfror. Ich musste
lachen, und da lachte die Frau neben mir mit. Solche kleinen Erlebnisse
finde ich gut.
Ich hab's auch schon erlebt, mit welcher Bereitschaft die Fahrgäste
halfen, als an einem sehr heißen Sommertag jemand umkippte.
Aber das ist ja wohl selbstverständlich.
Text:Michael-Peter Jachmann
Foto: D. Ulrich