Der Ruhlebener Schanzenwald mit dem Murellenberg liegt am S-Bahnhof Pichelsberg (S 9, S 75). Das Gelände ist über die Glockenturmstraße erreichbar.
Wandern, wo einst die Kugeln flogen
12.12.2007
Berlin ist um einen Erholungswald reicher: Während vor zwei Jahren noch Schießwälle, Kugelfänge und Zaunanlagen das Bild des Ruhlebener Schanzenwalds prägten, ist nun aus dem 38 Hektar großen Gelände mit dem Murellenberg ein grünes Ausflugsziel für Wanderer geworden. Wo seit 1840 Soldaten und später Polizisten für ihre Einsätze trainierten, laden Fuß- und Radwege dazu ein, das Waldgebiet zu entdecken.
Die DB ProjektBau GmbH hat sich mit 830 000 Euro, Mitteln des Bundes, an der Gestaltung der Grünflächen – als Ersatzmaßnahme für Eingriffe in den Naturhaushalt beim Bau der Schnellbahn-verbindung Hannover <> Berlin, beteiligt. Bei der offiziellen Eröffnung des Schanzenwaldes Ende November unterstrich Horst Reichert, Projektleiter bei der DB ProjektBau GmbH, die besondere Bedeutung des Engagements: „Wir hatten die Gelegenheit, in der ehemals geteilten Stadt eine neue, für die Zukunft gerüstete Eisenbahninfrastruktur im Knoten Spandau zu bauen und nun können wir dieses Areal nach 150 Jahren militärischer einer friedlichen Nutzung zuführen.“
Martina Schmiedhofer, Maria Krautzberger und Horst Reichert eröffnen den Schanzenwald.
„Viele Beteiligte rührten diesen Brei – ohne ihn zu verderben“, scherzte die Umweltstadträtin des Bezirks, Martina Schmiedhofer, bei der offiziellen Eröffnung. Auch Maria Krautzberger, Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, würdigte die fruchtbare Zusammenarbeit, die eine „fröhliche Nutzung“ nach sich zieht.
Einst Militärgelände und Schießplatz
Im Schanzenwald nördlich der Murellenschlucht befanden sich ab 1840 ein Übungsgelände und ein Schießplatz für das preußische Militär. Während des Zweiten Weltkriegs wurden 1944 und 1945 am Murellenberg über 230 Wehrmachts-Deserteure erschossen. Heute erinnert eine Installation der Künstlerin Patricia Pisani an die Opfer der NS-Militärjustiz. Diese besteht aus über 100, zum Teil mit eingravierten Texten versehenen Spiegeln, die den Denkzeichenweg säumen.
Nach dem Krieg übernahmen die britischen Alliierten die Fläche, 1994 die Berliner Polizei. Die militärische Nutzung hinterließ ihre Spuren: Wie Horst Reichert mitteilte, entsorgte die DB ProjektBau GmbH unter anderem 4.100 Tonnen Beton und Ziegel, 1 400 Tonnen Asphalt und zwei Tonnen Asbest. Des Weiteren sorgte das Unternehmen dafür, dass unter anderem 1 500 Meter Fußund Radwege sowie 2 400 Erdpfade errichtet und 82 Stieleichen sowie 40 Birken gepflanzt wurden.
Damit das unter Naturschutz stehende Waldgebiet trotz der erholungssuchenden Besucher einen sicheren Platz für Tiere und Pflanzen darstellt, wies Martina Schmiedhofer darauf hin, dass Mountainbikes, Reiter und freilaufende Hunde nicht erwünscht seien.
Forstamtsleiter Elmar Kilz begrüßte die Eröffnung des Schanzenwaldes mit den Worten: „Wir können nie genug Wald haben.“ Im kommenden Jahr wird er sich erneut über Zuwachs freuen können: Im Süden des Geländes soll die Waldfläche Am Rupenhorn für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Vorgesehen sei neben der Erschließung der Fläche die Aufwertung des Bestandes unter Naturschutzfachlichen Gesichtspunkten. Auch dieses Vorhaben wird durch die DB ProjektBau GmbH realisiert und mit etwa 650 000 Euro, Mitteln des Bundes, finanziert.
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Text: Claudia Braun
Foto: Viktor Strasse




