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News - Am Hauptbahnhof entsteht das Lehrter Stadtquartier

Vom Zug ins Wassertaxi

03.07.2008

Mit dem neuen Berliner Hauptbahnhof rückte auch seine Umgebung, der Humboldthafen, ins Blickfeld. Stadtplaner und Architekten, die sich mit der Zukunft der Gegend beschäftigen, kommen zu Wort.

Eigentlich ist uns Peter Joseph Lenné ja eher als Schöpfer wunderschöner Landschaftsparks bekannt. Doch auch als Stadtplaner hat er sich einen Namen gemacht. Berlin verdankt ihm beispielsweise den Landwehrkanal, den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal und eben den Humboldthafen. Und wer genau hinschaut, sieht an Letzterem noch heute ein durchgängiges Schaffensprinzip Lennés – Sichtachsen. Die ersten Planungen für das Lehrter Stadtquartier waren das Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs: ein Projekt mit einer geschlossenen Umbauung des Humboldthafens. Das führte schon in dem Wettbewerb selbst zu sehr kontroversen Diskussionen.

Blick über den Humboldthafen zum Hauptbahnhof

Inzwischen wurde die Umbauung in vermarktbare Einheiten aufgeteilt und Sichtachsen wurden vom Hauptbahnhof, dem Spreebogen und dem Hamburger Bahnhof hergestellt. Der Humboldthafen soll eine lebendige, unverwechselbare,
charismatische Adresse werden. Gäste und Anwohner sollen in das Hafenbecken blicken können, Mieter sollen
sich über ruhige, grüne Innenhöfe freuen. Fahrgastschiffe und Wassertaxis werden anlegen, Geschäfte und viele Restaurantplätze unter Arkaden laden zu Müßiggang und Genuss ein. Es soll ein Bauensemble entstehen, das der neuen
Berliner Mitte ein weiteres Juwel hinzufügt.

Annalie Schoen
Leiterin des Hauptstadt-
referates Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung
Natürlich haben interessierte Investoren noch beträchtliche Spielräume für die Umsetzung ihrer eigenen Vorstellungen, dennoch sind unverrückbare Eckpunkte gesetzt. Gespannt bin ich schon auf die Ideen der künftigen Nutzer.

Das erste Baufeld ist verkauft, weitere Ausschreibungen des Liegenschaftsfonds, der die Flächen im Auftrag der Stadt anbietet, wird es noch in diesem Jahr geben.
Das Investoreninteresse an diesen Flächen in exzellenter Lage ist groß.

Auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs plant bereits das Unternehmen Vivico ein weiteres, urbanes Stadtquartier mit zukunftsorientierten Nutzungsmischung mit Büros, Wohnungen und Geschäften, darunter ein 100-Meter-Hochhaus.

Seit dem Bau des neuen Hauptbahnhofs und der nahen Fanmeile zur Fußball-WM 2006 hat sich die Wahrnehmung dieses Lehrter Stadtquartiers ernorm verändert. Die Nähe des Regierungsviertels tut ein Übriges. Wann allerdings alles fertig sein wird, kann ich noch nicht sagen, das hängt auch von den Entscheidungen der Investoren ab und vom Bau der S 21.

Sie soll ja langfristig den nördlichen S-Bahn-Ring über den Hauptbahnhof und den Potsdamer Platz mit dem südlichen S-Bahn-Ring verbinden. Da der Teilabschnitt am Hauptbahnhof in offener Bauweise geplant ist, muss unter dem Europaplatz erst alles fertig sein, ehe auf der südwestlichen Seite des Humboldthafens gebaut werden kann.

Mobilität ist und bleibt eben eins der wichtigsten Argumente für Käufer und Mieter. Das wohl wichtigste Entwicklungsvorhaben Berlins der nächsten Jahre soll alle Wünsche erfüllen. Und das braucht auch seine Zeit.

 

Humboldthafen, städtebaulicher Entwurf Ungers/Winkens, 2008

 

Aus der Geschichte des Humboldthafens

Den Entwurf für den 1859 fertiggestellten Hafen schuf Peter Joseph Lenné. Das trichterförmige Hafenbecken diente der Entlastung des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal und hatte direkte Verbindungen zu den Güterbahnhöfen des
Hamburger und des Lehrter Bahnhofs sowie zum Neuen Packhof. Gleichzeitig konnten hier 15 Schiffe von 65 m Länge oder 22 Finowkähne mit einer Länge von 40,2 m abgefertigt werden. Der Hafen gehörte zu einem sehr stark durch Gewerbe und Industrie geprägten Großstadtviertel.

Bis 1945 war er als Warenumschlagplatz, Versorgungs- und Transportzentrum einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt. Dann wurde der Betrieb eingestellt.Jahrzehntelang verlief später mitten durch das Hafenbecken die Grenze zwischen Berlin Ost und Berlin West. Nach dem Mauerfall war der Hafen Lagerplatz. Erst mit dem Bau des Hauptbahnhofs rückte das Gelände wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Noch ist der Lennésche Entwurf an den Straßenführungen, der charakteristischen Form des Hafenbeckens, den Kalksteinufermauern, den befestigten Rampen sowie vielen Wassertreppen erkennbar. Auch der einmündende Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal besitzt in diesem Abschnitt noch seine ursprünglichen Ufermauern.

 

Historischer Vogelschauplan, 1928

 

Weitere Links im Internet

Foto: David Ulrich
Grafiken: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung