News - Projekt "Straßenfeger" - Wohnungslosen Chancen geben

Wer hinter dem „Strassenfeger“ steckt

16.10.2008

In der Prenzlauer Allee 87 betreibt der Mob e.V. sein
"Kaffee Bankrott", ein Gebrauchtwarenhaus, eine Notunterkunft und
bietet wöchentlich Sozial- und Rechtsberatungen.
In Berlin schätzt man bis zu 10 000 Wohnungslose. Sie leben in Heimen, Notunterkünften oder auf der Straße. Das sind so viele Menschen, wie im wohlbehüteten Wannsee leben. Seit einigen Jahren steigt die Zahl wieder an.

Eine der Einrichtungen, die sich dafür engagiert, dass Obdachlose wieder ins rechte Gleis gelangen, ist der Mob e.V. „Obdachlose machen mobil“. Der Name ist Programm, denn mit verschiedenen Projekten setzt sich der als gemeinnützig anerkannte Verein dafür ein, Wohnungslosen wieder ein menschen-würdiges Dasein zu ermöglichen und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten.




Bekannt ist der Mob e.V. vor allem durch den zweiwöchentlich erscheinenden „Strassenfeger“. Mit einer Auflage von über 20 000 Exemplaren ist er die größere der inzwischen zwei verbliebenen Berliner Straßenzeitungen. Er entstand 1996 neben der ein Jahr zuvor gegründeten „Motz“. Der Weiterverkauf ist Einnahmequelle für jedes Mal 80 bis 100 arme oder obdachlose Menschen. Damit sollen Eigenverantwortung und Initiative gestärkt und die meist desaströse finanzielle Situation verbessert werden – eine sinnvolle Alternative zum Betteln. Dafür unterzeichnen die Verkäufer eine Selbstverpflichtung, z.B. nicht berauscht oder in öffentlichen Verkehrsmitteln zu verkaufen. Außerdem können sie sich in Artikeln verwirklichen.

Verein und Redaktion sitzen in der Prenzlauer Allee 87 gleich beim S-Bahnhof. Jeden Tag von acht bis acht ist dort das „Kaffe Bankrott“ geöffnet, in dem sich jeder für kleines Geld eine warme Mahlzeit, ein Frühstück oder Kaffee und Kuchen kaufen und mit anderen ins Gespräch kommen kann. Außerdem gibt es gratis Computer für den Zugang ins Internet, Veranstaltungen und Ausstellungen. Immer montags von 11 bis 15 Uhr berät eine Anwältin in rechtlichen Fragen (außer in den Schulferien), immer dienstags von 14 bis 17 Uhr gibt es eine Sozialberatung.

Die Notübernachtung dort bietet Schlafplätze für elf Männer und fünf Frauen, und die Möglichkeit zum Duschen und Wäsche waschen. Sind im Winter alle Plätze belegt, vermitteln die Betreuer über das Kältehilfetelefon Plätze in anderen Unterkünften. Im Untergeschoss bietet eine Art Gebrauchtwarenhaus günstig Möbel und Haushaltsgegenstände, Spielsachen, Bücher und CDs an. Der Laden ist für alle offen, die „arm aber sexy“ sind – vor allem bietet er eine erste Einrichtung für wohnungslose Menschen, die wieder eine Bleibe fanden. Im Zuge dieses Trödelprojektes holen die Helfer weiterverwendbare Spenden von zu Hause ab und arbeiten sie gegebenenfalls auf.


Aus diesem Fundus wurden auch die Wohnungen in der Oderberger Straße 12 eingerichtet. Hier haben Ehrenamtliche und Obdachlose unter fachlicher Anleitung ein Haus instandgesetzt, das nun 18 preiswerte Wohnungen bietet.

Wie „mobil“ der Verein macht, stellte er bei seinem inzwischen zweiten Fest am 13. September auf dem Helmholtzplatz unter Beweis. Zu Gast waren unter anderem André Herzberg von der früheren Band Pankow, Diane Weigmann oder die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz Rot. Höhepunkt vor zwei Jahren war die „Strassenfeger“-Sonderausgabe, die zugleich als Programmheft zu Klaus Maria Brandauers Inszenierung der Dreigroschenoper mit Campino von den Toten Hosen diente. Wer selber helfen will, kann das mit weiterverwendbaren Sachspenden fürs Trödelprojekt, Geldspenden für die Notübernachtung, als ehrenamtlicher Mitarbeiter – oder einfach den „Strassenfeger“ kaufen.

Straßenzeitungsverkauf nicht in Zügen

Grundsätzlich ist es nicht erlaubt auf Bahnhöfen oder in Zügen Zeitungen oder ähnliches zu verkaufen. Im VBB-Tarif heißt es im Paragraph 4 eindeutig: „Es ist insbesondere untersagt … in den Verkehrsmitteln oder innerhalb des Bahngebietes Handel zu betreiben …, Druckschriften zu verteilen, zu betteln, zu sammeln, zu werben oder mit dem Ziel des Gelderwerbs Schau- oder Darstellungen zu tätigen.“ Diese Beförderungsbedingungen gelten bei allen VBB-Verkehrsunternehmen.

Einerseits unterstützt die S-Bahn gern diese für die Stadt wichtigen sozialen Projekte, andererseits häufen sich die Beschwerden von Fahrgästen. Die Vereine und Verkäufer wurden nochmals gebeten, nicht mehr in den
S-Bahnzügen die Straßenzeitungen anzubieten.

Text: mp

Informationen zur News

Mob e.V. und
Redaktion „Strassenfeger“:
Prenzlauer Allee 87, 10405 Berlin
Tel. (030) 46 79 46 11

Links zu diesem Thema

Homepage vom Straßenfeger

 

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