S-Bahn-Werk Oranienburg im 24-Stunden Dreischichtbetrieb
Wartung und Reparaturen im Dreischichtbetrieb
01.02.2010
„Die Ursache aller Schwierigkeiten liegt darin, dass wir seit dem vergangenen Mai einen erheblichen zusätzlichen Aufwand für die Überpfüfung der Radsätze haben.“ Deshalb setzen wir auf die betriebsnahe Instandhaltung und haben organisatorische Veränderungen vorgenommen. Oranienburg wird somit eine vollständige Werkstatt“, sagt Jürgen Strippel, der seit Sommer 2009 neuer Leiter der Fahrzeuginstandhaltung bei der S-Bahn Berlin ist.
Der Standort Oranienburg war bislang eine Außenstelle der Werkstatt Wannsee mit bis zum Mai 2009 nur 14 Mitarbeitern. Jetzt wird dort im 3-Schicht-System gearbeitet. Die Belegschaft ist durch die zusätzlichen Prüfer auf rund 50 Beschäftigte angewachsen, weitere Kräfte sollen hinzukommen. Nahezu alle erforderlichen Wartungs- und Reparaturarbeiten können vor Ort ausgeführt werden. punkt 3 hat das Werk besucht und der Nachtschicht bei ihrer Arbeit über die Schulter gesehen.
Videoreport von Bahn TV
Fotogalerie
Es herrschen Temperaturen unter null Grad, und in der brandenburgischen Kreisstadt Oranienburg scheint im Winter nach 21 Uhr das Leben auf Sparflamme zu laufen. Wenige Passanten sind unterwegs und Geschäfte, bis auf die Imbissstuben, haben schon lange geschlossen.
Doch wenige Schienenmeter vom Bahnhof Oranienburg entfernt brennt noch Licht. Wer mit der S-Bahn in Richtung Berlin unterwegs ist, kann das Betriebswerk sehen, in dem man rund um die Uhr arbeitet und Züge instand gesetzt werden.
Warm ist es in der Halle, in der vier komplette S-Bahn-Züge Platz finden und an einer Stelle große Palmen aus Töpfen wachsen. Doch die Lichtverhältnisse sind nicht nur für Grünzeug optimal, denn in erster Linie müssen die Mitarbeiter der S-Bahn auch nachts den Durchblick behalten. Rund 15 Kräfte sind es pro Schicht, die von der Reinigung der Zuginnenräume über Wartungsarbeiten an Klimageräten und Türmechanik bis hin zu umfangreichen Überprüfungen an Rad- und Bremsscheiben sowie Achsen und Radsätzen alles übernehmen können, was erforderlich ist.
„Zum einen sind das Arbeiten, die turnusmäßig anfallen, zum anderen Auflagen des Eisenbahnbundesamtes (EBA), die zu erfüllen sind“, erklärt Jürgen Strippel. Den Überblick hat in dieser Nacht Wagenmeisterin Daniela Mrosek, die als Schichtleiterin für die Disposition der Züge verantwortlich ist und sagt, „wo’s langgeht“, wie sie es mit einem Schmunzeln auf den Punkt bringt. Gemeinsam mit der Reinigungskraft Carola Baaske ist sie die einzige weibliche Beschäftigte in dieser Schicht. Darauf angesprochen, winken sie ab, schließlich sind beide jeweils seit 22 Jahren bei der S-Bahn beschäftigt.
„Dass wir in Oranienburg jetzt wieder komplett in die Instandsetzung integriert sind, gibt mir viel Hoffnung. Schließlich bedeutet es, dass auf uns gezählt wird und wir den Weg aus der Krise schaffen können“, sagt die Wagenmeisterin und spricht damit auch für ihre Kollegen.
Felix Degenkolbe ist kommissarischer Leiter der Oranienburger Werkstatt und mit deren organisatorischem Aufbau betraut: „Hier legen sich wirklich alle ins Zeug und die Stimmung unter den Beschäftigten ist gut. Dass sie am Ende eine vollständige Werkstatt haben, motiviert zusätzlich.“
Jürgen Strippel, der für die neue Aufgabe bei der S-Bahn mit seiner Familie von München nach Berlin zog, gibt zu: „Es ist zwar die schwierigste Aufgabe in meiner bisherigen Karriere, aber ich bin schon wieder entspannter und sehe es als Herausforderung, die wir schaffen können.“
Fotos/Text: David Ulrich/Claudia Braun















