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15.3.2011

Hier kommt Verstärkung!

16 Millionen Euro-Investition in 20 reaktivierte Viertelzüge der BR 485

Schlüsselübergabe: Peter Buchner (li.), Hans-Peter
Michlitz (re.) und der Zugführer Dirk Hanisch

„Ich bin der Erste!“ stand auf dem Schild, das den Zug 485 072 schmückte, als er am 4. März nach kompletter Sanierung aus der Halle des Instandhaltungswerks in Berlin-Schöneweide rollte. Insgesamt 20 bereits 2005/2006 abgestellte Viertelzüge der Baureihe (BR) 485 kehren bis Mitte dieses Jahres auf die Gleise des Berliner S-Bahn-Netzes zurück.

Ein Investitionsvolumen von 16 Millionen Euro fließt in die Wiederbelebung des Fahrzeugtyps und damit in die Steigerung der Verfügbarkeit des Fahrzeugparks.

„Für mich ist das ein Meilenstein auf dem Weg zurück zur Ordnung“, erklärte Peter Buchner, Geschäftsführer der S-Bahn Berlin. Er konnte es kaum erwarten, durch Hans- Peter Michlitz, Leiter des DB-Werks Dessau, endlich den Schlüssel in Empfang zu nehmen und den Zug in Einsatz zu bringen.

Die neuen Radsätze im Drehgestell der BR 485

Bis der Zug, der am 1. März 1991 erstmals in Dienst gestellt wurde und die letzten fünf Jahre stillgestanden hatte, nun sein „zweites Leben“ beginnen konnte, war es schließlich ein nicht ganz einfacher Weg. Der vorhandene Fahrzeugbestand, so Peter Buchner, sei auch in den nächsten Jahren die alleinige Grundlage für das Erbringen der Verkehrsleistungen.

„Man sitzt im Büro und denkt an nichts Böses und dann ruft Herr Buchner an“, so beschreibt Hans-Peter Michlitz den Beginn der Zusammenarbeit des DB-Werks Dessau mit der Berliner S-Bahn. Da das S-Bahn-Werk Schöneweide mit der Konzentration auf die Baureihe 481 ausgelastet ist, hatte der Geschäftsführer der S-Bahn versucht, Aufträge für die Sanierungsarbeiten der BR 485 an die Fahrzeugindustrie zu erteilen.


Erste Fahrgäste im generalüberholten Zug
Vergeblich. Für 20 Jahre alte Züge Ersatzteile zu beschaffen und sich in ihre Baupläne einzuarbeiten ist eine komplizierte Angelegenheit. Bei der externen Ausschreibung fand sich nur ein Anbieter, dieser hätte für wichtige Bereiche die Unterstützung aus DB-Werken benötigt und für die Arbeit einen Preis verlangt, der dem von Neubauzügen nahekommt.

Hans-Peter Michlitz nahm in dem besagten Telefonat die Herausforderung an, obwohl man nach seiner Aussage im Dessauer Werk zu diesem Zeitpunkt „keine Ahnung“ von S-Bahnzügen hatte. Beim Aufbau des Knowhows für die Reaktivierung der S-Bahn-Züge seien die Mitarbeiter des gesamten Werkstättenverbunds hoch motiviert bei der Sache gewesen:
„Es ist eine Herzensangelegenheit der gesamten Eisenbahnerfamilie, der Berliner S-Bahn zu helfen, wieder ins Rollen zu kommen und endlich für positive Schlagzeilen sorgen zu können.“



Vom Abstellgleis mit neuer Farbgebung zurück ins Netz

Zum Schluss habe die Arbeit dann sogar richtig Spaß gemacht. Große Freude hatten Peter Buchner und Hans-Peter Michlitz auch, als sie die „neue“ 485 direkt nach der Übergabe auf ihrem ersten Einsatz begleiteten und den Fahrgästen präsentierten.

Schon in wenigen Monaten werden die DB-Werke Dessau und Wittenberge weitere Aufträge übernehmen. Die von den dortigen Mitarbeitern erworbenen spezifischen Fachkenntnisse werden für die Übernahme weiterer 17 Revisionen von Zügen der BR 485 genutzt.

Bis Mitte dieses Jahres werden alle reaktivierten Züge der BR 485 wieder in Betrieb sein. Sie kommen zunächst auf den Linien S 75 und S 9 und später auf der Linie S 3 zum Einsatz. Bis zum Jahresende sollen insgesamt 80 Viertelzüge dieser Bauart wieder zur Verfügung stehen.

 

Information

Das ist neu an der Baureihe 485

Dem Fahrgast wird zunächst das Redesign der Züge auffallen. Die ehemalige „Cola-Dose“ trägt nun außen das S-Bahn-typische rot-gelbe Farbkleid. Natürlich hat auch die Inneneinrichtung eine Überarbeitung bekommen. Weiße und graue Wandflächen sowie neue Sitzpolster sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Geblieben sind übrigens die Gepäckablagen. Bevor es zu den optischen Modernisierungen kommen konnte, erhielten die Züge eine Komplettsanierung der Karosserie und der Elektrik, die bei den alten Fahrzeugen teilweise stark beschädigt waren. In Wittenberge wurden die Untergestelle und Bodenbleche aufwendig erneuert, in Dessau die restliche Wiederherstellung vorgenommen. Zusätzlich zum ursprünglich geplanten Aufarbeitungsumfang musste nachträglich noch der Austausch aller Radsätze eingeplant werden. Das war nötig, nachdem 2010 aufgrund früherer Probleme mit den gegossenen Radscheiben und Radsatzwellen der Austausch aller Radsätze gegen neue festgelegt wurde.

Foto: Philipp Görs
Text: Nina Dennert