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19.12.2013

Von Bunkern, einem geheimnisvollen Trog und Heuboden mit tropfenden Zügen

S-Bahn Berlin lud während der Bauarbeiten zur Besichtigung des Nordsüd-S-Bahn-Tunnels ein

Drei Tage bevor der Nordsüd-S-Bahn- Tunnel am Morgen des 9. Dezember nach 16 Tagen Bauzeit wieder eröffnet wurde, erhielten S-Bahn-Kunden und Vertreter von Verbänden die Möglichkeit, das unterirdische Bauwerk zu inspizieren.

Die Teilnehmer, darunter Mitglieder des Kundenbeirats der S-Bahn Berlin, des Berliner Fahrgastverbands IGEB und des Verkehrsclubs Deutschland, bekamen bei ihrer Begehung Einblicke, die bei laufendem Zugbetrieb nicht möglich sind. Begleitet wurden die 27 Teilnehmer von S-Bahn-Geschäftsführer Peter Buchner und Eisenbahnbetriebsleiter Jürgen Strippel.

 

Aufmarsch am Brandenburger Tor...

Los ging es am S-Bahnhof Brandenburger Tor. „Wir freuen uns, dass die Kollegen der DB Netz AG die Arbeiten in der geplanten Zeit abschließen können.

15000 Meter Schienen sind ausgetauscht worden, jetzt sind nur noch wenige Restarbeiten zu erledigen, bevor am Montag die Züge wieder rollen können“, begrüßte Buchner seine Gäste. Wenige Stufen sind es hinunter in den Tunnelbau.

Es weht ein leichter Wind, der auf einen der aufgestellten Hochleistungslüfter am S-Bahnhof Potsdamer Platz zurückzuführen ist. Normalerweise sorgen die S-Bahn- Züge für die nötige Luftzirkulation.

Obwohl es ziemlich dunkel ist, lassen sich die neuen Schienen samt Kleineisen, wie die Befestigungsmittel genannt werden, sehr gut erkennen.

Stahl und Eisen schimmern, während der S-Bahn-Chef die Besucher auf Neigungen, Überhöhungen und Kurven der Gleisstrecke aufmerksam macht. Zwar ist es übertrieben von einer Berg- und Talbahn zu sprechen, aber wer den Nordsüd-S-Bahn-Tunnel durchwandert, bemerkt all die Unebenheiten.

 

Von Heuboden, Bunkerbauten und Zugtrog

Jürgen Strippel deutet auf eines von unzähligen Kabeln an der Tunnelwand. „Das hat die DB Netz AG während der baubedingten Sperrpause mit austauschen lassen“, so der Eisenbahnbetriebsleiter der S-Bahn. Seit September verursachte ein Defekt Verspätungen auf dem Abschnitt, der von den Linien S 1, S 2 und S 25 befahren wird.

„Nun funktioniert die Übertragung der Signale wieder“, versichert Strippel. Peter Buchner kündigt einen Höhepunkt der Führung an: den sogenannten Heuboden. Eigentlich handelt es sich dabei lediglich um ein vom Verkehr nicht genutztes Nord- Süd-Tunnelstück zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor. In Zukunft könnte es der geplanten Linie S 21 dienen. Doch bis es einmal soweit ist, nutzt die S-Bahn Berlin den Raum gewissermaßen als zusätzliche Werkstatt.

„In harten Wintern lassen wir hier Züge, die vereist sind, auftauen“, erklärt er. Vier Vollzüge finden auf dem Heuboden Platz. Auch die Besandungsanlagen der Züge werden hier aufgefüllt. Noch ein bisschen dunkler und wärmer wird es in Räumlichkeiten, die abseits der Gleise liegen. „Das ist ein Bunker, der beim Tunnelbau Mitte der 1930er-Jahre mit errichtet worden ist“, so Strippel. Vermutlich versteckten sich einige hundert Menschen während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg hinter diesen Mauern.

Es soll nicht der einzige Bunker auf dem Weg zum Anhalter Bahnhof bleiben. Größere Rätsel gibt jedoch ein Zugtrog auf, der sich kurz vor dem Anhalter Bahnhof befindet. Wozu die Vertiefung zwischen den Gleisen gebaut wurde, kann sich heute keiner erklären. Auch Udo Dittfurth vom Berliner S-Bahn-Museum, der einen fast 80-jährigen Originalplan aus der Zeit des Tunnelbaus dabei hat, kann sich keinen Reim darauf machen.

Dennoch hat er die Begehung sehr genossen: „Einiges kann man nicht nur aus Plänen ablesen. Es ist gut, sich die Details vor Ort anzuschauen“, so der Museumsleiter. S-Bahn- Kundenbeiratssprecher Dr. Wolfgang Wilkening sieht es ähnlich: „Ich bedanke mich für die tiefen Einblicke. Jetzt kann ich mir noch besser vorstellen, was die Arbeiter hier geleistet haben.“

 

Eisenbahnbetriebsleiter
Jürgen Strippel (Mitte) führte die
Gruppe auch in Bunkerbauten
am Rande der Gleise.
Ein in seiner Funktion
unerklärlicher Zugtrog,
der sich zwischen den
Schienen befindet, gab Rätsel auf.

 

 

 

Text:CB/Fotos: D.Ulrich