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„Wendepunkt“ und „Markstein“

Die Eröffnungsfahrt von Berlin nach Bernau am 8. August 1924

Erinnerungsfoto von dem Versuchszug. Es gibt keine Überlieferung wer der erste Triebfahrzeugführer an der Schaltkurbel war.

 

Die Eröffnungsfahrt von Berlin nach Bernau am 8. August 1924

Mit der Umstellung vom dampfbetriebenen Vorortverkehr auf elektrisch angetriebene Züge begann eine neue Ära für den Nahverkehr in Berlin und Brandenburg. Deshalb feiert die S-Bahn Berlin 90 Jahre später den 8. August 1924 als ihre Geburtsstunde. An diesem Tag wurde zwischen dem Stettiner Bahnhof (heute Nordbahnhof) und Bernau der planmäßige elektrische Betrieb aufgenommen. Auf die erste Strecke folgte innerhalb von weniger als zehn Jahren das gesamte Netz – im Rahmen der „Großen Elektrisierung“ wurde es komplett mit der umweltfreundlichen Antriebstechnologie ausgestattet.

Am 8. August 1924, der übrigens wie 2014 auf einen Freitag fiel, war Publikum vor Ort. Bevor der Regelverkehr mit elektrischem Antrieb aufgenommen wurde, fand am Morgen eine Präsentation für Presse und geladene Gäste statt. Von der zukunftsweisenden neuen Technik zeigten sich die Zeitzeugen vollkommen überzeugt.

 

Der große Tag der Eröffnungsfahrt in der Presseschau

Als „Markstein für die Entwicklung des Berliner Stadt- und Vorortverkehrs“ bezeichnete der „Berliner Lokal-Anzeiger“ die Einführung des elektrischen Betriebs. Auch die Vossische Zeitung berichtet in der Abendausgabe vom 8. August 1924 über das Ereignis:

BERLIN-BERNAU ELEKTRISCH
Ein Wendepunkt in der Elektrifizierung des Berliner Stadt- und Vorortverkehrs
Heute vormittag wurde unter der Leitung des Eisenbahnpräsidenten Dr. Weirauch die erste Fahrt auf der elektrifizierten Bahnstrecke Berlin-Bernau unternommen. …“


Bahnfahren mit Elektroantrieb – wie das funktioniert, war damals noch erklärungsbedürftig.
Das besondere Berliner System mit der Stromschiene hat sich seitdem nicht verändert:

„Die Strecke unterscheidet sich von der für Dampfbetrieb nur durch die dritte Schiene neben den Gleisen. Dieser Schiene wird der elektrische Strom in Form von Gleichstrom zugeführt. […] Die Züge nehmen den Strom von unten ab.“ (Berliner Lokal-Anzeiger)

„Die Stromversorgung geschieht vom städtischen Elektrizitätswerk Südufer am Bahnhof Putlitzstraße … Der hochgespannte Drehstrom wird sodann in Gleichstrom von 800 Volt umgewandelt … “ ( Vossische Zeitung)

Die Vorteile des modernen Antriebs mussten ebenfalls erläutert werden.
Die Vossische Zeitung fasst diese für die Fahrgäste verständlich zusammen:

„Die Elektrifizierung bedingt eine größere Ausnutzung der kurzen Strecken, da die elektrischen Wagen schärfer anfahren können, als Dampflokomotiven. – Und für die Hygiene der Berliner Bevölkerung ist es wichtig, dass bei einer vollständigen Elektrifizierung des Orts- und Vorortverkehrs die 70 Tonnen Rußrückstände, die als Produkte der Dampfbahn über Berlin liegen, verschwinden. – Die elektrische Bahn wird die Fahrzeiten um 25 v. H. abkürzen.“


Steigerung der höchsten stündlichen Zugzahl und wesentliche Verkürzung der Fahrzeit sind positive Auswirkungen, die der Berliner Lokal-Anzeiger für das gesamte Netz in Aussicht stellt. So ist es dann auch gekommen, diese Entwicklung ist die Basis für den heutigen S-Bahn-Verkehr im dichten Takt – auch 90 Jahre danach ein Grund zu feiern.

 

Text: Verschiedene, Foto: Siemens-Archiv