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17.11.2016

In nur einer halben Stunde blitzsauber

Die S-Bahn Berlin erweitert das Reinigungsprogramm für ihre rot-gelben Züge. In Friedrichsfelde ist eine Waschanlage entstanden, die ökologisch auf höchstem Niveau reinigt und auch Vereisungen an Fahrzeugkomponenten auftauen kann.

Neue Waschanlage im Werk FriedrichsfeldeDie neue Waschanlage im Werk Friedrichsfelde erhöht die Fahrzeugverfügbarkeit durch Abtaufunktion für Wintertage

 

Die längste Waschstraße Berlins befindet sich jetzt im Werk der S-Bahn Berlin in Friedrichsfelde und sorgt für saubere Züge. Am 9. November wurde die Anlage mit einer Länge von 160 Metern feierlich in Betrieb genommen. Gäste und Pressevertreter konnten dabei zuschauen, wie sich die selbstfahrenden Waschportale mit den großen Bürsten an einem Zug mit vier Wagen entlangbewegten, ihn einseiften und abspülten.

„Die Sauberkeit der Züge ist für unsere Fahrgäste ein Top-Thema“, erklärte Peter Buchner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin, die Investition von rund 5,5 Millionen, die das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn aus Eigenmitteln für den Bau der Anlage zur Verfügung gestellt hatte.

Ab sofort erhalten die knapp 200 Viertelzüge, die auf dem Teilnetz Stadtbahn fahren, alle 14 Tage eine Nassreinigung. Jährlich sind rund 5 000 Waschvorgänge für die Züge der Linien S3, S5, S75 und S9 in Friedrichsfelde vorgesehen. Dabei kann jeweils ein kompletter Vollzug mit acht Wagen behandelt werden. Dank neuester Waschtechnologie dauert die Prozedur im Regelfall nur noch 30 Minuten. Die Anlagen in Wannsee und Grünau benötigen mit rund 60 Minuten die doppelte Zeit. Gewaschen wird in den Abend- und Nachtstunden sowie an den Wochenenden, da die Züge tagsüber im laufenden Betrieb benötigt werden.

 

 

XXL-Waschstraße braucht kein zusätzliches Personal

„Die neue Außenreinigungsanlage trägt zur Stabilisierung und weiteren Steigerung unserer Betriebsqualität bei. Bisher notwendige Fahrten zur Waschanlage im Werk Wannsee entfallen. Damit können wir unsere Ressourcen effektiver einsetzen“, ergänzte Ulf Dittrich, seit 1. Juli neuer Leiter des Werks Friedrichsfelde der S-Bahn Berlin. Übrigens bindet die XXL-Waschstraße auch kein zusätzliches Personal: „Der Triebfahrzeugführer steigt aus dem Zug und drückt einfach den Knopf der Anlage. Alles andere passiert vollautomatisch“, erläutert Dittrich. So erkennt die Steuerungsanlage automatisch Anfang und Ende des Zuges.

Aus Gründen der ökologischen Nachhaltigkeit verfügt die neue Waschstraße über einen geschlossenen Wasserkreislauf. Dieser beinhaltet die Grobreinigung bereits verwendeten Wassers. 80 Prozent des Waschwassers verbleiben im Aufbereitungskreislauf und werden mehrfach genutzt. Der Gesamtwasserverbrauch je Vollzugwäsche liegt bei 3 200 Litern. Neu ist auch der Einsatz eines komplett biologisch abbaubaren Waschmittels, das entsprechend den jeweiligen Bedingungen, zum Beispiel Jahreszeit und Verschmutzungsgrad der Züge, dosiert wird.

 

Bau einer zweiten Anlage in Grünau ist für 2019 vorgesehen

Nicht nur der günstige Preis, sondern auch all die technischen Innovationen hatten den Ausschlag gegeben, der polnischen Firma AGAT den Zuschlag für den Bau der Waschanlage zu erteilen, berichtete Peter Buchner. So konnte sich der Neuling auf dem deutschen Markt in der europaweiten Ausschreibung gegen die Konkurrenz durchsetzen. Zbigniew Winkiel, Sprecher der Geschäftsführung von AGAT, erklärte, dass man nach zwölf Monaten Bauzeit „mit einem Koffer voller Erfahrungen“ aus dem Projekt herausgehe. Unterstützt durch die Handelsvertretung der polnischen Botschaft in Berlin freue man sich, so viel Zuspruch für die Anlage zu erhalten.

Für das Jahr 2019 ist bereits der Bau einer zweiten Anlage auf dem Gelände des S-Bahn-Werks Grünau vorgesehen. Eine entsprechende Ausschreibung ist in der Vorbereitung. Dort erhalten dann auch die neuen S-Bahn-Züge für Berlin und Brandenburg, die ab dem Jahr 2021 im Teilnetz Ring/Südost zum Einsatz kommen, ihre 14-tägige Wäsche.

 

 

Erhöhte Fahrzeugverfügbarkeitdurch schnelles Abtauen mit 40 Grad-Heißluftdüsen

S-Bahn Berlin sorgt nicht nur für blitzblanke Züge. An Wintertagen mit Minusgraden wird die Anlage zur Abtauhalle für S-Bahn-Züge. Vereisungen an den Gerätebehältern unterhalb des Wagenkastens erschweren bisher die zeitnahe Reparatur elektrischer Fahrzeugkomponenten bei Extremtemperaturen.

Mit einer Leistung von 780 Kilowattstunden – das entspricht der Kraft von 650 handelsüblichen Haartrocknern – werden die Züge mit einem 40 Grad Celsius warmen Luftstrom über Heißluftdüsen behandelt und stehen nach etwa 60 Minuten für Instandhaltungsarbeiten wieder zur Verfügung.

 

 


Text: Claudia Braun
Fotos: Kathrin Fiehn/ André Groth