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20.07.2017

Planer auf Testfahrt für den Ersatzverkehr

Welche Herausforderungen Sperrungen mit sich bringen

„Die S-Bahn ist schnell und unabhängig vom Straßenverkehr – beim Ersatzverkehr ist es genau umgekehrt“, sagt Björn Vetter von der Strategischen Angebotsplanung der S-Bahn Berlin. Hinter ihm steht ein zwölf Meter langer Charterbus der BEX – Bayern Express & P. Kühn Berlin GmbH, der gleich zu einer Testfahrt starten wird. Ende Oktober müssen Abschnitte der S-Bahn-Linien S2 und S8 im Berliner Norden wegen des Umbaus am Karower Kreuz gesperrt werden.

 

Für die Planung des Ersatzverkehrs werden sich die Gegebenheiten vor Ort angesehen

Schon jetzt wird der Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Pankow und Karow beziehungsweise Birkenwerder vorbereitet. „Das kann man nicht alles am Schreibtisch planen. Wir schauen uns natürlich die Gegebenheiten vor Ort an, um beispielsweise zu sehen, ob die Busse überall durch kommen“, erklärt Stefan Reimann von der Qualitätssteuerung des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB). Dieser ist ebenso wie die BEX-Betriebsplanung, die Verkehrslenkung Berlin sowie die zuständigen Stellen im Senat und Bezirk in die Vorbereitungen mit eingebunden.

„Gerade im Berliner Norden, wo keine Regionalbahn- und U-Bahn-Linien als Fahralternative zur Verfügung stehen, haben wir es mit besonderen Herausforderungen zu tun“, so Vetter. Dazu gehören verstopfte Straßen zur Hauptverkehrszeit ebenso wie Bauarbeiten der Berliner Wasserbetriebe, die gleichzeitig stattfinden. Da wundert es nicht, dass bereits Monate vorher die Planungen beginnen, um den bestmöglichen Ersatzverkehr anzubieten, wie Vetter sagt.

 

Aus vorherigen Sperrungen habe man gelernt, sind sich die Verantwortlichen einig

So werden diesmal zwei Ersatzbuslinien eingerichtet: ein sogenannter Lokalbus, der jede einzelne Haltestelle anfährt, sowie ein Expressbus. Dieser fährt mit maximal 60 Stundenkilometern ohne Zwischenhalt über die Autobahn A114 von Pankow nach Karow und umgekehrt.

Wichtig bei diesen Angeboten: Die Nutzer müssen die Haltestellen des Ersatzverkehrs auch finden, denn nicht immer können die Bahnhöfe direkt angefahren werden. „Das ist diesmal am Bahnhof Blankenburg der Fall. Hier halten wir zweimal: an der Rosenthaler Straße und am Blankenburger Weg, von dort kann mit der BVG-Buslinie 154 beziehungsweise 150 zum Bahnhof vorgefahren werden. Aber die meisten Fahrgäste haben ohnehin nicht die Station selbst zum Ziel“, erklärt der Angebotsplaner Björn Vetter.

 

Die Testfahrt und die geplanten Haltestellen verfolgt auch Kathrin Fischer vom Fahrgastmarketing der S-Bahn Berlin ganz genau. Sie wird später mit ihrem Team die temporäre Wegeleitung übernehmen, wie es im Fachjargon heißt. Das bedeutet, dass sie Standorte für Hinweisschilder und Fußtapsen festlegt, die den Kunden die Wege zu den Haltestellen weisen.

Der Bus mit den Planern schafft die Expressbus-Strecke an diesem Testtag in vorzeigbaren 13 Minuten – die S-Bahn fährt in acht Minuten von Pankow nach Karow. „Ich empfehle dennoch, eine Fahrzeitverlängerung von zehn bis zu 20 Minuten einzuplanen, gerade in der Hauptverkehrszeit“, sagt Björn Vetter vorausschauend. Und Stefan Reimann ergänzt: „Wer nicht unbedingt zu einer bestimmten Zeit fahren muss, könnte probieren, etwas früher oder später zu fahren, um die „Rush Hour“ auf den Straßen zu umgehen.“ Zwar entsprechen beim Ersatzverkehr Taktzeiten und Kapazitäten dem S-Bahn-Angebot, aber Straße ist eben nicht gleich Schiene.

 

 

Text: Claudia Braun
Fotos (3): André Groth