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12.10.2017

Seit 90 Jahren Experten im Einsatz

Die Historie der Berliner S-Bahn ist mit dem Werk Schöneweide so eng verknüpft wie mit kaum einem anderen Standort des Unternehmens. Ein Rückblick auf 90 Jahre Werksgeschichte:

Unter einem gläsernen Dach schweben S-Bahnen in luftiger Höhe, in den Arbeitsständen arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Zügen, ein Gabelstapler verschwindet in den Tiefen der weitläufigen Halle. Der 2016 unterzeichnete Verkehrsvertrag Teilnetz Ring/ Südost prägt den Arbeitsalltag des Werks Schöneweide: 106 neue Triebzüge sind bestellt und sollen ab 2021 im Berliner S-Bahn-Netz unterwegs sein. Bereits heute bereiten sich die S-Bahnerinnen und S-Bahner darauf vor, welche Herausforderungen die Baureihe 483/484 mit sich bringen wird.

 

 
„1997 habe ich im Werk meine Ausbildung zum Energieelektroniker begonnen, inzwischen bin ich Fahrzeug-Ingenieur.
Ich habe hier ein anregendes Umfeld, das mich in meiner beruflichen Entwicklung vorangebracht hat.“

 

Mit dem Verkehrsvertrag ist zudem der genaue Blick auf den Weiterbetrieb der aktuellen Baureihen verbunden: Ein Ertüchtigungsprogramm macht derzeit die Fahrzeugflotte fit für die Zukunft. Für die Baureihe 481 mit ihren 500 Viertelzügen ist beispielsweise ein umfassendes Programm zur Erhöhung der Langlebigkeit aufgelegt worden. Das „50-Maßnahmen- Paket“ widmet sich wiederum zwei S-Bahn- Klassikern, der Baureihe 480 und 485, um sie bis zum Jahr 2023 nutzen zu können. Diesem Mammutprogramm entsprechend, stockte das Unternehmen das Personal auf und investierte in die Werkstattkapazitäten.

Diese Investitionen stärken einen traditionsreichen Standort, denn hier, in Niederschöneweide, sind seit 90 Jahren Experten im Einsatz. Die Elektrifizierung der Berliner S-Bahn in den 1920er Jahren erforderte ein Werk, in dem die Ausrüstung und Instandsetzung der neuen elektrischen Züge stattfinden konnte. Am 15. Oktober 1927 eröffnete das Werk, und von Anfang an wurde sich hier richtig ins Zeug gelegt: In der Zeit von 1924 bis 1944 beschaffte die Berliner S-Bahn 2 100 Fahrzeuge. Den Krieg überstand das Werk ohne größere Schäden, und in der Nachkriegszeit bestimmten die durch den Krieg zerstörten Züge die Arbeit. Nebenbei wurde Landwirtschaft um das Werk herum betrieben, und in der Betriebswerkstatt grunzten Schweine – Versuche der Belegschaft, des Hungers Herr zu werden.

 

 
„Das Werk ist wie mein zweites Zuhause. Seit 36 Jahren arbeite ich hier und habe viele Veränderungen und emotionale Momente miterlebt.
Ich arbeite gern als Lokrangierführer, weil ich meinen Job liebe.“

 

Mit der Teilung des Landes im Jahr 1949 spaltete sich auch die Instandhaltung entsprechend dem entstehenden Berliner Ost- und Westnetz auf. Neben den S-Bahnen rollten in den kommenden Jahren zusätzlich U-Bahn-Wagen und Straßenbahnen ins Werk. Der Mauerbau 1961 trennte nicht nur die Stadt, sondern auch das S-Bahn-Netz.

Im Werk hielt die sozialistische Planwirtschaft Einzug – womit die Verlängerung der Lebensdauer der Züge verschiedenster Art in den Mittelpunkt rückte. In dieser Zeit begannen die Schöneweider auch im Auftrag des DDR-Verkehrsministeriums, S-Bahn- Triebwagen in U-Bahnen umzubauen. Auch in die Konsumgüter-Produktion der DDR war das Werk – wie viele andere Betriebe – eingespannt. So entstanden ab den 1970er Jahren zusätzlich Spielzeug und Möbel, wie beispielsweise Küchenhocker.

 

 

Der Mauerfall stellte noch einmal die Weichen neu, denn knapp fünf Jahre später, im Jahr 1994, fusionieren Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn, zu der das Werk Schöneweide gehörte. Die Deutsche Bahn AG entsteht. Die Berliner S-Bahn, jahrzehntelang geteilt, wird ebenfalls wieder vereint, und am 1. Januar 1995 gründet sich die S-Bahn Berlin GmbH.

1996 ging die Baureihe 481 auf die Schienen, und mit ihr spezialisierte sich noch einmal die Arbeit, vor allem im Hinblick auf die eingesetzten Materialien und die Elektrotechnik der Züge.

Im Jahr 2009 führten herstellerbedingte Fahrzeugmängel und Managementfehler im Unternehmen in die sogenannte S-Bahn-Krise, die auch das Werk Schöneweide stark zu spüren bekam. Die in den Jahren zuvor reduzierte Belegschaft wurde wieder aufgestockt, und Investitionen in Millionenhöhe, unter anderem in die Infrastruktur, erfolgten. Erst diese Veränderungen ermöglichten es, dass die S-Bahn Berlin 2016 die Ausschreibung des Teilnetzes Ring für sich entscheiden konnte. Im Oktober 2016 folgte die Vorstellung des Wagenmodells der neuen Baureihe 483/484 in der Lackhalle.

 

 
„2012 bin ich als Geschäftsführer Produktion zur S- Bahn Berlin gekommen und habe erlebt, wie schnell mit Herausforderungen umgegangen wird.
Es gab im Werk stets ein großes Portfolio, und dieses vielfältige Können gibt es heute immer noch. Hier waren und sind viele Spezialisten am Werk.“

 

Anfang September starteten 30 Azubis bei der S-Bahn Berlin ins Berufsleben. Seit 1934 wird im Werk ausgebildet, und auch im Hinblick auf den S-Bahner-Nachwuchs wird das Angebot beständig weiterentwickelt. Beispielsweise sind unter den neuen Azubis auch drei Flüchtlinge, die das seit zwei Jahren existierende berufsvorbereitende Programm Chance Plus für Flüchtlinge absolviert haben.

Und am 15. Oktober wird das Werk Schöneweide 90 Jahre alt: Happy Birthday!

 

 

 

Text: Sabine Adler
Fotos: Christiane Flechtner/ S-Bahn-Archiv