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07.12.2017

Neue Südkurve ist einmalig in Berlin

S9 fährt ab Fahrplanwechsel wieder direkt durch die Innenstadt

Wenn am 10. Dezember gegen halb 3 Uhr früh die erste S-Bahn der Linie S 9 in Spandau startet und über die neue Südkurve am Ostkreuz fährt, wird damit ein innovatives Bahnbauwerk in Betrieb genommen, das es so nur einmal in Berlin gibt. Nach rund fünf Jahren Bauzeit und einer langen Planungszeit im Vorfeld können die Züge dann wieder im 20-Minutentakt zwischen Flughafen Schönefeld, der Innenstadt und Spandau fahren. Ein Halt am Ostkreuz ist bei dieser Streckenführung nicht vorgesehen. Zudem müssen sich Fahrgäste der S 9 bis November 2018 am Bahnhof Treptower Park auf eine längere Haltezeit einstellen: stadteinwärts sind das circa vier und stadtauswärts circa drei Minuten. Hintergrund ist, dass die Infrastruktur noch ein Jahr lang eingeschränkt ist. So sind im Bereich zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof vorerst nur zwei statt später vier Gleise verfügbar.

Diplom-Ingenieurin Karin Kamitz von der DB Netz AG hat die Südkurve bei einer Testfahrt in einer S-Bahn bereits kennengelernt: „Es war ein tolles Erlebnis, mit 80 Kilometern pro Stunde über die neu entstandenen Brücken zu fahren“, sagt sie.

„Der Bau der Südkurve stellte eine besondere Herausforderung dar“, so Projektingenieur Klaus Kamitz von der DB Netz AG. „Alte Brücken, bestehende Denkmäler wie der Wasserturm und das ehemalige Beamtenhaus, die Vorsorgearbeiten für die Bundesautobahn sowie der rollende Zugverkehr – auf all das mussten wir Rücksicht nehmen.“ Zunächst hieß es, die alten Brückenteile der Südkurve zu demontieren, was im Dezember 2010 vollbracht war. Anfang 2015 begann die Montage der neuen Stahlbrücken für die Südkurve, die aus 22 Einzelteilen besteht. Gearbeitet wurde im Taktschiebeverfahren, wobei die Anlieferung der Stahlteile genau geplant sein musste. Klaus Kamitz schildert einen besonders kniffligen Fall. Das Bauteil 13, mit einer Länge von 54 Metern und einem Gesamtgewicht von 110 Tonnen, konnte aufgrund seiner Masse nicht komplett auf den Tieflader und musste in zwei Einzelteilen geliefert werden. Vor Ort wurden diese dann zusammengeschweißt und anschließend in ihre endgültige Position gebracht.

Mit 21,4 Millionen Euro war die Südkurve inklusive ihrer Stützbauwerke die teuerste Einzelmaßnahme des Ostkreuz-Umbaus.

Alle neuen Fahrplantabellen gültig ab dem 10.12.

 

 

Diese ersten Züge fahren am 10. Dezember planmäßig über die neue Südkurve:


Spandau – Flughafen Berlin-Schönefeld
2:35 Uhr Spandau
3:23 Uhr Ostbahnhof
3:33 Uhr Treptower Park
4:06 Uhr Flughafen Berlin-Schönefeld


Flughafen Berlin-Schönefeld – Spandau
3:02 Uhr Flughafen Berlin-Schönefeld
3:32 Uhr Treptower Park
3.37 Uhr Ostbahnhof
4:24 Uhr Spandau

Weitere Informationen zum Ostkreuz finden Sie hier: Fertigstellung der Umbauarbeiten am Ostkreuz

 

 

Zugräder rollten seit 1871 – Abriss der Geschichte der Südkurve:

Die Südkurve wird im Sommer 1871 am künftigen Bahnhof Stralau (heute Ostkreuz) fertiggestellt und ist 849 Meter lang. Zuerst befährt sie nur der Güterverkehr, am 1. Januar 1872 wird der Personenverkehr vom neu errichteten Bahnhof Stralau zum Niederschlesisch- Märkischen Bahnhof (heute Ostbahnhof) aufgenommen.

1895/1896 entsteht an der Südkurve der Außenbahnsteig C im Rahmen der Berliner Gewerbeausstellung im Treptower Park.

Der elektrische Zugbetrieb auf der Südkurve am Ostkreuz in Richtung Neukölln startet am 6. November 1928. Auf der Südkurve fahren die Züge aus Grünau oder vom Südring in die Stadt und halten am Bahnsteig A am Ostkreuz. In der entgegengesetzten Richtung halten die Züge am Bahnsteig FC und fahren von der Stadt über das Ostkreuz und die Südkurve zum Südring oder nach Grünau.

Während des Zweiten Weltkriegs ist die Südkurve, wahrscheinlich nach schweren Luftangriffen, ab Februar/März 1945 außer Betrieb und erst ab August 1946 wieder befahrbar.

Am 12. April 1966 wird der Außenbahnsteig C an der Südkurve am Ostkreuz geschlossen. Seitdem fahren die Züge aus der Stadt nach Grünau in Ostkreuz durch.

Der Abriss der Bahnsteigs C an der Südkurve erfolgt im November 1978. 1985 wird das stadtauswärts führende, 1986 das stadteinwärts führende Gleis auf der Südkurve am Bahnhof Ostkreuz erneuert.

Schließlich wird der Bahnsteig A am 28. August 2009 außer Betrieb genommen, danach erfolgt der Abriss der alten Südkurve.

 

Die Informationen entstammen dem Buch „Mythos Ostkreuz“ von Sven Heinemann und Burkhard Wollny, das demnächst im Klartext Verlag erscheint.

 

 

 

Text: Claudia Braun
Foto: Sven Heinemann/ Burkhard Wollny