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03.11.2006

Gespräch mit Peter Debuschewitz, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für Koordination Berliner Bahnhöfe und Strecken

Nach dem Mauerfall wurde in der Bahnlandschaft unserer Region das Unterste zuoberst gekehrt. Es wurden Milliarden in neue Schienenwege, Bahnhöfe, Fahrzeuge und technische Anlagen gesteckt. Da zumeist „unter rollendem Rad“ gebaut wurde, war das auch für die Fahrgäste nicht ganz unkompliziert. Auf den neuen Nord- Süd-Verbindungen rollt es nun endlich, der Hauptbahnhof erfüllt seine Drehkreuzfunktion bestens – haben wir’s jetzt geschafft?

Peter Debuschewitz:
Noch nicht ganz! Jeder, der sich ein bisschen auskennt im komplexen Eisenbahnsystem in und um Berlin, weiß, dass noch eine Menge zu tun ist.

Das beispiellose Investitionsprogramm, für das Bund, Länder und DB insgesamt rund 10 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt haben, wird voraussichtlich noch mindestens bis zum Jahr 2015 weitergehen.

Wenn ich z. B. an den Umbau des Bahnhofs Ostkreuz denke, kann ich noch nicht einmal sagen, das Härteste sei überstanden.


 

Können Sie bitte zusammenfassen, was abgehakt werden kann!

Peter Debuschewitz:
Den „erledigt!“- Stempel haben wir seit Beginn der 90er Jahre auf die Bauunterlagen vieler Großbaustellen gedrückt. Dazu zählen allein bei der S-Bahn Berlin Lückenschlüsse von Berlin- West nach Berlin-Ost und ins Umland, der Neubau nach Teltow, die neuen Bahnsteige in Charlottenburg, diverse sanierte Bahnhöfe – 80 Prozent davon behindertengerecht – und die grundlegende Sanierung des größten Teils der bestehenden S-Bahn-Infrastruktur.

Die Stadtbahn wurde 1994 bis 1998 zwischen Ostbahnhof und Westkreuz wieder total instandgesetzt. Berlin bekam ICE-Anschluss, die Schnellbahnstrecke nach Hannover ging 1998 in Betrieb, was eine Fahrzeitverkürzung von 4:07 h auf 1:36 h brachte. Auf der für 230 km/h ausgebauten Strecke nach Hamburg fahren wir seit Ende 2004 statt 2:02 h nur noch rund 90 Minuten im Fernverkehr. Am 28. Mai 2006 wurden innerhalb Berlins der Nord- Süd-Tunnel, rund 80 km neue DB-Strecken und 5 neue Bahnhöfe gleichzeitig in Betrieb genommen. Für viele Berliner ?bedeutet das erhebliche Reisezeitverkürzungen. Dazu kam gleichzeitig auch die Fertigstellung der Ausbaustrecke nach Leipzig. Leipzig erreicht man jetzt in 1:10 h. Dies alles war bislang zwar mit Abstand der bundesweit größte investive Sprung. Dennoch – wir bauen weiter am Berliner Eisenbahnkonzept.

Wie geht es weiter?

Peter Debuschewitz:
Gehen wir doch einfach mal alphabetisch vor.

A wie Außenring:
Eine neue 110 kV-Stromversorgung wird sicherstellen, dass auch die in der Zukunft zu erwartenden Zugmengen von, nach und in Berlin fahren können.

B wie BBI:
Auch der zeitgerechte Ausbau der Bahnanbindung des Flughafens Berlin-Brandenburg International bis zur Eröffnung Ende 2011 hat nun begonnen. Unter dem Terminal des Flughafens werden 6 Gleise an 3 Bahnsteigen gebaut.

Am Bahnsteig 1 halten dann zwei S-Bahn-Linien, die sich zu einem nahezu10-Minuten-Takt ergänzen, am Bahnsteig 2 der Flughafenshuttle, der über die Gleise der Dresdner Bahn in 20 Minuten den Berliner Hauptbahnhof erreicht mit Halt an den Bahnhöfen Potsdamer Platz und Südkreuz.

Am Bahnsteig 3 machen Regional- und Fernzüge Station. Eine Durchfahranlage macht es möglich, über die Görlitzer Bahn auch auf die Stadtbahn zu kommen. Von den Bahnsteigen gelangen die Fahrgäste mittels Aufzügen und Fahrtreppen direkt in die Verteilebene des Flughafengebäudes und zu den Flugsteigen.

D wie Dresdner Bahn:
Derzeit laufen die Anhörungsverfahren zu drei Bauabschnitten zwischen Bahnhof Südkreuz und dem Außenring. Wir rechnen mit Planfeststellungsbeschlüssen Ende 2007 /Anfang 2008. Da auf den Gleisen der Dresdner Bahn bis Schönefeld ja der Flughafenshuttle fahren soll, ist Eile geboten. Auch der komplette Streckenausbau bis Dresden steht noch auf der Agenda.

E wie Erkner:
Der an der RE 1- Strecke gelegene Bahnhof, an dem auch die S 3 endet, soll inklusive der neuen Signalund Sicherungstechnik und des dazugehörigen elektronischen Stellwerks bis 2009 umfassend saniert sein.

F wie Frankfurt (Oder):
Die Strecke zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) – ein wichtiges Teilstück der Bahnstrecke von europäischem Rang (Paris–Moskau) wird auf 160 km/h ertüchtigt. Große Teile sind bereits geschafft. Es fehlen noch die Abschnitte Hangelsberg– Fürstenwalde – das soll bis Ende 2007 vollendet sein – und von Frankfurt (Oder) bis zur polnischen Grenze inklusive der Oderbrücke. Bei Letzterem sind noch grenzüberschreitende Probleme zu lösen, die mit der Finanzierung und dem technischen Regelwerk auf polnischer Seite zusammenhängen. Hier soll alles voraussichtlich 2010 fertig sein. Letztendlich wird es möglich sein, die Strecke vom Ostbahnhof bis Frankfurt (Oder) mit dem Fernzug in 36 Minuten zurückzulegen. Der RE 1 wird ebenfalls profitieren, wenn er auch durch seine zusätzlichen Halte etwas länger braucht.

F wie Falkensee:
Zu diesem Thema hat punkt 3 in der Ausgabe am 23. Juli sehr ausführlich informiert:

G wie Görlitzer Bahn:
Der 97,5 km lange Streckenabschnitt zwischen Berlin und Cottbus wird für Geschwindigkeiten bis 160 km/h ausgebaut. Das ist seit September 2006 beschlossene Sache. Dadurch werden sich die Fahrzeiten um knapp 30 Minuten verkürzen. 2007 soll das Planfeststellungsverfahren anlaufen, 2008 werden noch notwendige Reparaturarbeiten an der Strecke durchgeführt und 2010 wollen wir mit den Ertüchtigungsarbeiten beginnen. Die Inbetriebnahme wird frühestens 2011 erfolgen. Bund, Land Brandenburg und Bahn investieren hier rund 115 Millionen Euro. Gegenwärtig werden die S-Bahn-Gleise auf der Görlitzer Bahn zwischen Treptow und Adlershof grunderneuert, eingeschlossen der Neubau des Bahnhofs Adlershof.

K wie Kolonnenstraße:
Da kann man nur sagen – was lange währt wird endlich gut. Am 15. November dieses Jahres soll nun der erste Spatenstich für den neuen S-Bahnhof im Süden Berlins vollzogen werden. Die Bauzeit beträgt ca. 1,5 Jahre.

K wie Köpenick:
Hier soll ein neuer RE-Haltepunkt entstehen, denn in Köpenick werden größere Fahrgastzahlen erwartet als derzeit in Karlshorst, dieser Regionalbahnsteig wird dann zurückgebaut. Im Januar/ Februar 2007 läuft das Anhörungsverfahren, Anfang 2008 rechnen wir mit dem Planfeststellungsbeschluss und 2010 soll alles fertig sein. Auch der Straßenverkehr unter der Bahnbrücke erhält mehr Platz. Die Fern- und Regionalzuggleise zwischen Köpenick und Erkner werden bis 2011 saniert.

O wie Ostkreuz:
DieArbeiten, die keine Planfeststellung voraussetzen, haben wir bereits weitestgehend erledigt. So wurden Baufreiheit geschaffen und der erforderliche Grünrückschnitt durchgeführt. Sobald wir den Planfeststellungsbeschluss – hoffentlich bald – vorliegen haben, werden als erstes die Arbeiten für die neue Kynast-Brücke ausgeschrieben. Dies sind auch gleichzeitig die Vorlaufarbeiten, um auf den Ringbahngleisen den neuen Regionalbahnhof bauen zu können. Ist dieser fertig, werden die S-Bahngleise an ihn herangeschwenkt und der S-Bahn-Ringbahnhof wird gebaut. Dann werden die Gleise zurückverschwenkt und der Regionalbahnhof kann in Betrieb gehen.

Der neue Bahnhof Ostkreuz wird je einen Richtungsbahnsteig für die S-Bahn stadtauswärts (E) und stadteinwärts (D) bekommen und zwei Regionalbahnsteige (Ro und Ru, siehe Grafik). Vorsorgebauten für die unterirdische Stadtautobahn A 100 müssen auch eingeplant werden. Da am Ostkreuz täglich etwa 170 000 Fahrgäste ein-, ausund besonders viele umsteigen, muss wieder unter rollendem Rad gebaut werden. Das bedeutet nicht unerhebliche Behinderungen für die Fahrgäste und Auswirkungen auf die Bauzeit. Zur Zeit wird mit rund 10 Jahren Bauzeit gerechnet; wir hoffen, sie verkürzen zu können.

P wie Potsdamer Stammbahn:
Derzeit sind die Länder Berlin und Brandenburg dabei, für diese Strecke eine Kosten-Nutzen- Untersuchung vorzubereiten. Bei einem Faktor deutlich über 1 – wovon man ausgehen kann – werden weitere Planungen in Angriff genommen.

Sollte es zum Wiederaufbau der Strecke kommen (Griebnitzsee, Düppel, Kleinmachnow, Zehlendorf, Steglitz, Potsdamer Platz), werden hier Regionalzüge im 30-Minutentakt fahren. Mit ihnen wäre der Potsdamer Platz von Kleinmachnow aus in 12 Minuten erreichbar.

R wie Rostock:
Auch die Strecke nach Rostock, auf der die Züge des RE 5 verkehren, wird für höhere Geschwindigkeiten ausgebaut. Ziel sind Fahrzeiten von rund 100 Minuten für die Fernzüge ohne Halt. Noch bis Mai 2007 haben wir auf der Strecke zwischen Lalendorf und Kavelstorf eine umfangreiche Baustelle mit einer betrieblichen Totalsperrung. Ab diesem Zeitpunkt fahren auch wieder erste Fernzüge über den nördlichen Außenring nach Rostock. Bis zur Erreichung der geplanten Fahrzeitverbesserungen sind aber noch weitere Baumaßnahmen in der Folgezeit durchzuführen.

S wie S 21:
2007 soll Baubeginn des nördlichen Abschnitts vom Hauptbahnhof bis zum nördlichen S-Bahnring sein, Fertigstellung 2011/ 2012. Damit werden dann die Bewohner der Stadtteile im Norden Berlins auf direktem Wege den Hauptbahnhof erreichen. Optional ist ein Haltepunkt der S 21 an der Perleberger Brücke geplant, der aber vom Berliner Senat noch nicht bestellt wurde. Zu einem späteren Zeitpunkt wird die S 21 nach Süden verlängert.

Und der Vollständigkeit halber, obwohl hier nicht die DB AG, sondern die BVG plant und baut:
T wie Tram: vom Nord- zum Hauptbahnhof soll Mitte 2009 in Betrieb gehen.
U wie U 55: soll Ende 2007 vom Hauptbahnhof bis zum Brandenburger Tor fahren.