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26.11.2010

Wo 150 Elefantenbullen schweben (könnten)

Das filmreife Szenario am Ostkreuz setzt sich spannend mit Kranszenen fort

Vor den Augen technikinteressierter S-Bahn-Fahrgäste, deren Weg regelmäßig über das Ostkreuz führt, läuft ein filmreifes Szenario ab. Nahezu wöchentlich wird eine Sequenz ergänzt und bisher fand jede ein Happy End – der Dreh geht aber noch weiter. Jetzt steht erneut „Brückenaufbau“ im Drehbuch. Gleis und Bahnsteigbrücken für den S-Bahnring werden in den nächsten Wochen in Position gebracht.
Die einzelnen Brückenelemente wurden im Stahlbau Dessau gefertigt. „Unsere Aufgabe war und ist die Werkstattplanung, die Montageplanung, das Fertigen, Konservieren, Transportieren und Montieren von zwölf Gleisbrücken und elf Bahnsteigbrücken aus Stahl“, erläutert Projektleiter Jürgen Grund.

Die Brückenteile (links) finden bald ihren Platz auf den
Betonstützen (rechts).

„Das ist auch in dieser Größenordnung ein normaler Auftrag für uns. Anspruchsvoll ist hier allerdings der Zeitplan – Januar 2010 Planungsbeginn, November Auslieferung. Doch wir wissen, dass am Berliner Ostkreuz nur gebaut und gleichzeitig der Bahnverkehr aufrecht erhalten werden kann, wenn alle Zulieferer in der Lage sind, sich der strengen Zeitplanung unterzuordnen.“

Die Dessauer Stahlbauer sind auch für die Montage direkt am Ostkreuz zuständig. Mit Hilfe von zwei riesigen Kränen der Firma Liebherr werden die Brückenteile auf die im wahrsten Sinne wie Pilze aus dem Boden gewachsenen Betonstelen zwischen den Bahnsteigen gesetzt. Der Raupenkran LRG 1750 auf der Nordseite des Baugeländes kann Lasten bis zu 750 Tonnen heben.

Zum Vergleich: Das ist das Gewicht von ca. 150 afrikanischen Elefantenbullen. „Der spannendste Moment ist immer der erste Hub vom Anheben bis zum Absetzen“, weiß Jürgen Grund aus Erfahrung. Die einzelnen Brückenteile wiegen zwar „nur“ bis zu 160 Tonnen, das Problem am Ostkreuz ist aber, dass der Kran beträchtliche Entfernungen überwinden muss. Er wird seine Last über mehrere Gleise und Bahnsteige heben und braucht einen großen Ausleger. Das können nicht viele Kräne in der Welt.

An drei Wochenenden werden nun acht Gleisbrücken und acht Bahnsteigbrücken eingebaut. Jeder kann sich vorstellen, dass unter einem Gewicht von 32 schwebenden Elefanten aus Sicherheitsgründen keine Züge fahren können. Deshalb müssen Gleise und Bahnsteige auf der Stadt- und Ring-S-Bahn an zwei Wochenenden vor Weihnachten gesperrt werden. Am letzten Wochenende vor dem Fest beginnt dann der etwas kleinere Bruder des Riesenkrans, der LRG 1400, auf der Südseite des Bahnhofs sein Werk und hebt die noch fehlenden Brückenelemente ein. Danach gibt es für die Bauleute noch jede Menge Schweiß-, Montage und Aufbauarbeiten. Auch die Bahnsteighalle wird errichtet und nach Ostern 2012 wird dann die filmreife Inszenierung wieder zu einem „Zwischen-Happy End“ führen – die S-Bahn hält am neuen Bahnsteig F.

Foto: David Ulrich