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29.11.2010

Elektronische Stellwerke: Eins für drei

Ein elektronisches Stellwerk ersetzt drei elektromechanische

Ein Bedienplatz in der S-Bahn-Betriebszentrale Halensee

Einiges scheint sich in Richtung Modelleisenbahn zu entwickeln – die Größenverhältnisse, die Bedienung: Eine Zentraleinheit steuert das ganze System, alles wird viel kleiner. Wozu früher drei elektromechanische Stellwerke nötig waren, reicht jetzt ein elektronisches.

Fachleute wie Axel Schulz, Projektingenieur und verantwortlich für das neu entstehende elektronische Stellwerk (ESTW) Frankfurter Allee gruseln sich natürlich bei diesem laienhaften Vergleich.

Und doch macht es deutlich, wo die wesentlichen Vorteile der neuen Stellwerkstechnik liegen: die Bedienung erfolgt zentral, sie ist wartungsärmer und weniger störanfällig, Anpassungen zum Beispiel beim Einbau einer neuen Weiche oder eines Signals gehen schneller, auf Störfälle kann flexibler reagiert werden, weniger Bedien- und Instandhaltungspersonal ist nötig.

Jetzt bekommen auch der S-Bahn-Ring zwischen Prenzlauer Allee und Neukölln und das Ostkreuz „ihr“ ESTW. Doch vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt und das für Bauleute wie für S-Bahn-Kunden. 26 Wochenendsperrungen bis Oktober 2011 und eine zehntägige Totalsperrung des kompletten Ostrings zu Ostern 2012 sind nötig, um alles umzubauen, zu installieren, zu verkabeln, aufzuschalten, zu testen und in Betrieb zu nehmen. All das passiert auch, damit der neue S-Bahn-Ringbahnsteig F, für den jetzt die Brücken montiert werden, nach Ostern 2012 von den Fahrgästen genutzt werden kann.

Das alte elektromechanische Stellwerk Ostkreuz

Das elektronische Stellwerk Frankfurter Allee wird dann die gesamte Signal- und Sicherungstechnik auf dem östlichen S-Bahn-Ring steuern, das heißt alle Weichen, Vor-, Haupt-, Zwischen-, Rangier- und Mehrabschnittssignale zwischen den Bahnhöfen Prenzlauer Allee und Neukölln.

Das sind alles in allem 296 Stelleinheiten. Damit ersetzt das ESTW drei konventionelle Stellwerke, deren Technik teilweise noch aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts stammt. Etwa 60 Prozent des S-Bahn- Netzes werden dann von der S-Bahn-Betriebszentrale Halensee elektronisch gesteuert. Wenn das gesamte Netz umgestellt ist, übernehmen 15 Unterzentralen – also ESTW – die Arbeit von zirka 50 alten, relaisgesteuerten Stellwerken.

Über Lichtleiterkabel gehen die Informationen dabei in Sekundenbruchteilen verschlüsselt, störungs- und eingriffssicher vom Fahrdienstleiter der Betriebszentrale an die neuen Unterzentralen. Hier werden die Befehle vom Computer entschlüsselt und an die Weichen oder Signale weitergegeben. Zwei getrennte Übertragungswege und ein Notbedienplatz vor Ort erhöhen die Sicherheit. In der Zentrale Halensee sind alle ESTW zu drei Steuerbezirken zusammengefasst. Einer davon ist der S-Bahn-Ring. Jedes hinzu kommende ESTW muss in dieses Gefüge eingepasst werden. Der Software- Hersteller Siemens kann in seinem Testzentrum Treptow das komplette Procedere der Aufschaltung der neuen Technik simulieren und so langwierige Proben an den einzelnen Streckenabschnitten einsparen.

Das ESTW Hangelsberg, ähnlich sehen auch die
ESTW-Gebäude der S-Bahn aus.

Die Inbetriebnahme des neuen S-Bahn-Ringbahnsteigs am Ostkreuz ist dennoch nicht in ein paar Stunden getan. Gleisverbindungen sind herzustellen und die bereits vorhandenen Nachbarstellwerke auf den angrenzenden Ringabschnitten sind anzupassen. „Bis Juni 2011 braucht Siemens Baufreiheit“, erläutert Axel Schulz.

„Dazu müssen wir auf der etwa zehn Kilometer langen Strecke über 100 Signalfundamente mittels Rammtechnik herstellen, zirka zehn Kilometer Tröge, Schächte und Gleisquerungen für die Kabel bauen und etwa 150 Kilometer Kabel verlegen.

Und die zehn Tage Baufreiheit zu Ostern 2012 müssen reichen, um 16 alte Weichenantriebe auszubauen und durch neue zu ersetzen. Auch 140 nicht mehr notwendige Schienenunterbrecher oder Isolationsstöße müssen ausgebaut und durch Passschienen ersetzt werden. Für jeden brauchen wir mindestens zwei Stunden. Ferner muss die gesamte alte Technik zurückgebaut werden“. So gesehen hinkt der Modellbahnvergleich doch gewaltig.

Foto: David Ulrich (Bedienplatz)
Foto: A. Schulz (Stellwerke)