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11.08.2016

Das Alte im Neuen – Erinnerungen an das historische Ostkreuz entstehen

Baustellenrundgang mit dem Bürgerbeauftragten Ludwig Neuenkirch

„Hier kann sich an nur einem Tag alles komplett ändern“, sagt Ludwig Neuenkirch, während er seinen „Schleichweg“ von der Baustelle zum Bahnsteig „D“ etwas verändert vorfindet und durch den Bauzaun schlüpft. Neuenkirch hat im vergangenen Oktober Wilfried Lorenz, der in den Ruhestand gegangen ist, im Infopunkt Ostkreuz als Bürgerbeauftragter abgelöst.

Nun ist der seit 1971 bei der Bahn Beschäftigte im roten Baucontainer am Markgrafendamm Ansprechpartner für alle, die mehr über die Großbau stelle Ostkreuz erfahren möchten. Neuenkirch begleitet Besuchergruppen, wie etwa Studenten, Touristen und Bahninteressierte, bei geführten Touren über die Baustelle und beantwortet Anfragen von Anwohnern sowie Fahrgästen zum Baugeschehen. „Das ist ein Traumjob“, verrät der Bürgerbeauftragte, der jeden Fortschritt am Ostkreuz aus nächster Nähe verfolgt.

Gern veranschaulicht er seinen Gästen, dass am Ostkreuz neben modernster Bahnarchitektur, wie beispielsweise der Ringbahnhalle, auch das Historische bewahrt wird und seinen Platz erhält. Deshalb der Besuch auf dem Bahnsteig „D“, wo die S-Bahn-Züge in Richtung Lichtenberg halten. In einem Jahr, im August 2017, sollen hier alle Züge Richtung stadteinwärts Station machen.

 

Ende August geht zweiter Bahnsteig in Betrieb

Ludwig Neuenkirch deutet auf die Dachstützen am westlichen Ende des Bahnsteigs, die gleich in doppelter Ausführung zu sehen sind. „Wenn sie genau hinschauen, haben die vorderen Stützen gar keine tragende Funktion.

Sie sind quasi Schmuckelemente und verdeutlichen, wie es früher einmal aussah“, erklärt er. Das gilt auch für das Dach: „Sieht aus wie Holz, oder? Das wäre aber aus Brandschutzgründen heute nicht mehr zulässig. Das Material ist dem Original nur nachempfunden.“

Des Weiteren ist das ehemalige Dienstgebäude auf dem Bahnhof nach Originalplänen aus den 1920er-Jahren entstanden. Auf dem gegenüberliegenden, südlichen Bahnsteig „E“ wird ebenfalls ein solch dekoratives Häuschen errichtet. „Vielleicht zieht hier die Bundespolizei ein, die am Ostkreuz einen weiteren Stützpunkt erhält“, so Neuenkirch. Auch hier zeigen sich dem Besucher verzierte Dachstützen, die bereits das Gerippe der künftigen Überdachung halten: „Das sind spezielle Anfertigungen, die extra in Luxemburg gegossen wurden, um das historische Bild zu erhalten.“ In Kürze sind die Arbeiten hier beendet, versichert Neuenkirch.

Mit viel Fantasie kann man sich vielleicht schon den Neubau der Fußgängerbrücke vorstellen, die später alle Bahnsteige von den Vorplätzen der Sonntagstraße bis zum Markgrafendamm verbinden soll. Erste Brückenteile sind bereits eingehoben worden. Auch hier wurde auf originale Pläne des berühmten S-Bahn-Architekten Richard Brademann zurückgegriffen, um den historischen Charakter der erstmals 1923 und 1926 errichteten Fußgängerbrücke zu erhalten.

 

2017 wird das entscheidende Jahr für das Ostkreuz

Den besten Blick über das Baustellengeschehen hat man von der Südringkurve aus. Während Arbeiter gerade dabei sind, das betonierte Gleisbett gegen Feuchtigkeit abzudichten, zeigt Ludwig Neuenkirch auf ein eher unscheinbares, graues Gebäude: „Von dort aus wird noch die gesamte Stellwerktechnik gesteuert. In einem Jahr ist dann alles auf die modernste, elektronische Stellwerktechnik umgestellt.“ Ohnehin wird 2017 das entscheidende Jahr für das Ostkreuz:

Ende August 2017 geht der zweite S-Bahnsteig auf der Stadtbahn in Betrieb. Im Dezember soll dann der untere Regionalbahnsteig eröffnet werden. „Für all das laufen die vorbereitenden Arbeiten“, fasst Neuenkirch zusammen.

Letzte Station dieser Baustellenbesichtigung am Ostkreuz ist die Kynaststraßenbrücke: Von hier haben Passanten und Interessierte einen hervorragenden Blick auf die Arbeiten östlich des Bahnhofs. So wird aktuell das Bahnviadukt zwischen Ostkreuz und Rummelsburg erweitert und mit einer sogenannten „lastverteilenden Platte“ ertüchtigt. Die fünf Gleise – zwei S-Bahn-, zwei Fernbahngleise und ein Gleis zum Betriebsbahnhof Rummelsburg – werden neu verlegt. Über der Karlshorster Straße entstehen neue Bahnbrücken und westlich der Karlshorster Straße eine neue, 113 Meter lange Stützwand. Damit wird sich das „Gesicht“ des Ostkreuzes noch einmal gewaltig ändern.

 

So wird das neue Ostkreuz aussehen

Der Bahnhof Ostkreuz erlebt in seiner 160-jährigen Geschichte seit 2006 seinen größten Umbau – bei laufendem Betrieb. Ein wesentlicher Teil der Arbeiten wird Ende kommenden Jahres abgeschlossen. Für die Fahrgäste bedeutet das: mehr Komfort, besserer Anschluss, leichtere Orientierung.

Dann sind alle S-Bahnsteige in Betrieb, die Strecken mit moderner Stellwerkstechnik ausgerüstet und Voraussetzungen für einen Regionalverkehrshalt auch auf der Strecke Berlin-Erkner geschaffen. Die wichtigsten Verbesserungen im Überblick:

Richtungsbetrieb statt Linienbetrieb

In Ost-West-Richtung fahren alle Züge stadteinwärts von einem Bahnsteig; ebenso von einem Bahnsteig alle Züge stadtauswärts. Richtungsbetrieb statt Linienbetrieb sagen die Eisenbahner dazu. In Ostbahnhof, Warschauer Straße und Ostkreuz gibt es künftig jeweils einen Bahnsteig für stadteinwärts und einen Bahnsteig für stadtauswärts fahrende S-Bahnen. Zwei Gleise stehen pro Richtung zur Verfügung.

Regionalverkehr hält am Ostkreuz

Schon jetzt halten die Linien RB 12 Templin – Berlin Ostkreuz, die RB 24 Eberswalde – Senftenberg und die RB 25 Werneuchen – Berlin Ostkreuz an den Fernbahngleisen des Ringes. Am neuen Regionalbahnsteig der Strecke nach Frankfurt (Oder) sollen ab Ende 2017 Züge halten. Für die Züge der „Ostbahn“ über Berlin-Lichtenberg werden ebenfalls neue Bahnsteige gebaut.

Verteilerebene Ringbahnhalle

Sichtbarstes Zeichen des neuen Ostkreuz ist die große Halle über dem Ringbahnsteig der S-Bahn. Sie ist 132 Meter lang, bis zu 48 Meter breit, 15 Meter hoch und überdacht den Ringbahnsteig, der gleichzeitig als Verteilerebene für die Bahnsteige der Stadtbahnebene dient.

Die Südkurve verbindet Südring und Stadtbahn

Vom historischen Kern des Bahnhofs ist nichts mehr zu sehen: der Bahnsteig A und die Verbindungskurve von der Innenstadt zum nördlichen Teil des Ringes wurden stillgelegt und abgebaut. Die Züge aus dem Südosten fahren künftig ohne Halt über die Südkurve des Bahnhofs Ostkreuz.

Die Neuordnung der Gleise bedeutet eine Umgestaltung der Bahnanlagen vom Ostbahnhof bis vor die S-Bahnhöfe Rummelsburg und Nöldnerplatz sowie zwischen Treptower Park und Frankfurter Allee – auf mehr als drei Kilometern auf der Stadtbahn und gut einem Kilometer auf der Ringbahn. Umgestaltet wird in diesem Zusammenhang auch der Bahnhof Warschauer Straße.

Straßenbahn kommt vor den Bahnhof

Damit der Anschluss im Nahverkehr besser wird, planen die BVG und der Berliner Senat eine neue Trasse für die Straßenbahn. Diese fährt bisher über die Boxhagener Straße weit am Ostkreuz vorbei. Künftig soll sie von der Marktstraße direkt vor den nördlichen Eingang des Ostkreuz fahren.

 

Aktuelle Situation der Aufzüge zum Ostkreuz

Seit Ende Juli mussten vier der acht Aufzüge am Ostkreuz für technische Überprüfungen außer Betrieb genommen werden. Zur Beurteilung der aktuellen Problemlage und zur Steigerung einer nachhaltigen Verfügbarkeit hat die DB kurzfristig einen externen Gutachter beauftragt.

Die Untersuchungen haben Anfang August begonnen, erste Erkenntnisse befinden sich bereits in der Umsetzung. Die daraus resultierende Beeinträchtigung – insbesondere für mobilitätseingeschränkte Kunden – ist sehr bedauerlich, aber für die Sicherheit unumgänglich. Fahrgäste informieren sich bitte z.B. auf der entsprechenden Bahnhofsseite unter Mobilitätsausstattung über die aktuellen Ausfälle.



Ludwig Neuenkirch, Bürgerbeauftrager am Ostkreuz

Haben Sie Fragen zum Baufortschritt?

Jeden Dienstag von 14 bis 19 Uhr ist Ludwig Neuenkirch im roten Infocontainer am Bahnhof Ost-kreuz vor Ort. Wer sich für Gruppenführungen interessiert, erreicht den Bürgerbeauftragten unter Tel.: 030 2971 2973.

Projektseite auf www.deutschebahn.com

Projekteseite S-Bahn Berlin

Der S-Bahnhof Ostkreuz

 

Haben Sie sonst noch Fragen?
Fragen zur Baustelle Ostkreuz können per Mail an Max Maulwurf oder an das OK-Telefon Tel.: 030 2971 2973 gestellt werden. Zudem können sich Kunden am BahnBau-Telefon unter Tel.: 0800 5996655 (kostenlos) informieren.

 

 


Text: Claudia Braun
Foto: André Groth/ Simulation: DB AG