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18.5.2011

Ring Geschichten - Ostkreuz

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Rein ins Getümmel - Rekordhalter unter den Nahverkehrsbahnhöfen

Großstadtleben in der Sonntagstraße, unmittelbar am S-Bahnhof Ostkreuz

Auch das Ostkreuz ist ein Umsteigebahnhof und auch hier gibt es eine Gartenbewegung. Allerdings sind das die einzigen Parallelen zum Westkreuz.

Im Gegensatz zum Niemandsland rund um den Verbindungsknoten im Westen herrscht hier geradezu das pralle Leben.

Der S-Bahnhof Berlin-Ostkreuz ist der am meisten frequentierte Nahverkehrsbahnhof in Berlin, 140 000 Menschen wechseln hier täglich zwischen den Linien der Ring- und Stadtbahn.

Schon von Beginn an war er als Umsteigepunkt geplant und so wuseln hier seit 129 Jahren die Fahrgäste treppauf und treppab.

Straße in Neukölln Unweit vom idyllischen Ufer ...

Die alte Dame unter den Bahnhöfen Berlins zeichnete sich in den letzten Jahrzehnten eher durch einen verwitterten Charme aus und spaltete damit die Massen.

Während die einen das historisch gewachsene Labyrinth aus Treppen, Zugängen, Imbiss und Obstständen mit dem rostigen Gerüst mit viel Nostalgie verehren, ist es für andere einfach nur ein aus der Zeit gefallenes Relikt, das Umsteigen zum Hindernislauf macht.

Doch das wird sich ändern, denn gerade ist die größte Sanierung des Bahnhofs, die eher einem Neubau bei laufendem Betrieb gleichkommt, im Gange.

In Neukölln ... im Schatten des Wasserturms ...

Das Ostkreuz wirft den Rost ab, das unverkennbare Wahrzeichen des Bahnhofs allerdings, das seit 1912 existiert, wird bleiben: Der Wasserturm mit dem charakteristischen Pickelhaubendach.

Verlässt man den Bahnhof in Richtung Stralauer Halbinsel, kommt man am Bürgergarten Laskerwiese vorbei. Das ist das moderne Pendant zu den Kleingärten rund ums Westkreuz.

Der Verein pflegt gemeinschaftlich das gesamte Areal und darf dafür im Gegenzug auf abgeteilten Parzellen Obst und Gemüse für den Eigenbedarf anbauen.

Das „urban gardening“ = städtisches Gärtnern wird derzeit von Vancouver bis Wien als neuer Trend in westlichen Metropolen gefeiert. Für Berliner, die schon immer ihre kleinen grünen Lungen und privaten Beete mitten in der Stadt unterhalten, eigentlich ein alter Hut.

Ebenfalls groß in Mode sind Hochseilgärten. Bei der Höhen-Tour von Station zu Station sind Mut, Balance und Teamfähigkeit gefragt.

Der „Team Venture Sportspark“ zwischen Rummelsburger Hauptstraße und See bietet aber mehr als den Höhenrausch, er ist fast ein kleines Freizeitparadies mitten in der Stadt.

In Neukölln ... wird im Gemeinschaftsgarten gewerkelt.

Hier kann man nicht nur angeseilt hoch hinaus klettern, seit 1. Mai haben auch die Kajak-Station und das Beach-Volleyball-Feld geöffnet. Wer es ein wenig ruhiger mag, der sucht die Romantik am Paul-und-Paula-Ufer.

Gegenüber auf der Stralauer Halbinsel stehen noch die denkmalgeschützten alten Industriegebäude, die bereits als Kulisse im DEFA-Klassiker und Nostalgie-Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ nicht mehr im neuesten Glanz erstrahlten.

Abends strömen Nachtschwärmer in Massen zum Ausgang in Richtung Boxhagener Kiez. Hier reihen sich rund um die Sonntagstraße Restaurants, Bars und Kneipen dicht an dicht aneinander und auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks entlang der Revaler Straße verstecken sich drei Clubs.

Der Bahnhof Ostkreuz im Wandel der Zeit

  • 1882 wird der Bahnhof unter dem Namen Stralau-Rummelsburg eröffnet
  • 1895/96 sowie 1903 kommen weitere Bahnsteige hinzu
  • 1923/24 entstehen neue Fußgängerbrücken und Verbindungswege
  • Als Pendant zum Umsteigebahnhof im Westen erfolgt die Umbenennung in Ostkreuz 1933
  • Nach dem Mauerbau 1961 wird das Ostkreuz der wichtigste S-Bahnhof im Ostberliner Streckennetz
  • Seit 2007 wird der Bahnhof bei laufendem Betrieb umgebaut

Namensgebung – Von Stralau-Rummelsburg zu (R)Ostkreuz

Bevor das Ostkreuz seinen heutigen Namen bekam, hieß es Stralau-Rummelsburg. Benannt nach dem alten Fischerdorf Stralow und der ehemaligen Kolonie Rummelsburg. Stralau stammt als Ortsname wohl aus dem Wendischen und wurde von „strala“ oder „strela“, das heißt Pfeil und hob wohl auf die Form der Landzunge ab, abgeleitet. Rummelsburg erhielt den Namen vom Weinhändler Rummel, der am Stralauer See ein Wirtshaus hatte. Stralau und Rummelsburg gehören zu den vielen eigenständigen Siedlungen, die 1920 bei der Entstehung Groß-Berlins eingemeindet wurden. Da der Bahnhof Ostkreuz seit Jahren sanierungsbedürftig war, wurde er scherzhaft zuletzt „Rostkreuz“ genannt, mit dem derzeit laufenden Umbau wird dieser Spitzname hinfällig.

Fotos: David Ulrich
Text: Nina Dennert