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21.11.2011

Stadtbahn Geschichten - Ostbahnhof

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Hotspots, wo man hinschaut

Dass er auch einmal Hauptbahnhof war, überrascht nicht, wenn man das belebte Umfeld betrachtet. East Side Gallery, Berghain und O2World – der Ostbahnhof ist auch heute kein Ort für Geheimtipps sondern für Hotspots. Schon in seiner Funktion als Fern-, Regional- und S-Bahnhof zählt er zu den drei wichtigsten der Stadt und wird täglich von bis zu 100 000 Menschen besucht.


International bekannte Motive zieren die Mauerreste International bekannte Motive zieren die Mauerreste.

Im Bahnhofsbau kontrastiert die moderne Empfangshalle mit gläserner Front und transparentem Vordach mit den historischen gemauerten Viaduktbögen auf der anderen Seite am Ausgang Erich-Steinfurth-Straße.

Genau wie das Gebäude selbst sich von unterschiedlichen Seiten zeigt, lebt auch der Kiez von den Gegensätzen aus alt und neu.

In der Umgebung sind aus anderen Gebäuden – wie dem Radialsystem – ähnliche Fusionen mit historischen und modernen Elementen entstanden, alte Industrie-Bauten werden völlig neu genutzt, aus einer Grenze ist eine Galerie und ein Park geworden und auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände ist die modernste Multifunktionsarena Deutschlands entstanden.

 

Früher Abwasserpumpwerk, heute Veranstaltungsort Früher Abwasserpumpwerk, heute Veranstaltungsort

Die Vielfalt der Veranstaltungen und Sehenswürdigkeiten rund um den Ostbahnhof lockten Berliner und Touristen gleichermaßen an. Da das Angebot so breit ist, herrscht hier fast rund um die Uhr Betrieb.

Wegen der ausgedehnten Öffnungszeiten der Supermärkte und weiterer Läden ist der Ostbahnhof ein beliebtes Ziel für Einkäufe. Wer am Sonntag plötzlich Lust auf Selbstgekochtes bekommt, kann hier die Vorräte aufstocken.

Ebenfalls sonntags öffnet der Antik-Trödel-Markt von 9 bis 16 Uhr. Zusätzlich finden regelmäßig Märkte mit Schwerpunkten für spezielle Sammlerobjekte wie Spielzeug und Modellbahnen oder Münzen und Briefmarken statt.



Berlin-Bär vor der O2 World Berlin-Bär vor der O2 World

Der imposante benachbarte Postbahnhof bietet Platz für renommierte Ausstellungen wie die Körperwelten-Schau, Konzerte und andere Veranstaltungen. Und ein Muss für jeden Berlin-Touristen ist der Besuch der Eastside Gallery, die fast unmittelbar vor dem Bahnhof beginnt.

Der mit 1,3 Kilometern längste erhaltene Abschnitt der Berliner Mauer ist ein „Denkmal für die Freiheit“ und mit seinen, von 118 Künstlern gemalten, berühmten Bildern wie dem Bruderkuss oder dem Trabbi, der die Mauer durchbricht, die größte Freiluftgalerie der Welt.

 

Gegenüber den bunten Bildern sind regelmäßig Eishockey- und Basketballfans in vollem Ornat anzutreffen, die Heimspiele der Berliner Eisbären oder der Albatrosse besuchen. Wenn nicht gerade weltberühmte Musiker die O2World bespielen. Abends nimmt man einen Drink in den verschiedenen Strandbars, und nachts schwärmt das Partyvolk in die Clubs am Ufer der Spree.

 

Die großen Verwandlungen einer Bahnstation

Ostbahnhof - Der Katholische Bahnhof
Zwei ganz verschiedene Fassaden, der selbe BahnhofZwei ganz verschiedene Fassaden, der selbe Bahnhof. Das neue Gebäude von 1987 wurde ab 1995 wieder erneuert

 

Für die Reisenden aus den entlegenen ostpreußischen Provinzen muss die Ankunft am Schlesischen Bahnhof in Berlin, dem heutigen Ostbahnhof, einem Kulturschock gleichgekommen sein. All das, was ihnen über das lasterhafte Berlin erzählt wurde, traf hier im eigentlich katholisch geprägten Bahnhofsviertel zusammen. Nachtbars, billige Hotels und Bordelle zogen dem Reisenden den letzten Pfennig aus der Tasche. Nach diesem Armenviertel erhielt die Station ihren Beinamen „Katholischer Bahnhof“.

Der  Bahnhof war für den Verkehr nach Ostpreußen von großer Bedeutung. Direkte Verbindungen führten nach Sankt Petersburg und Breslau, nach Istanbul stieg man einmal, nach China nur zweimal um. Für die immer länger und schwerer werdenden Züge wurden in Vorbereitung auf die „Elektrisierung“ der S-Bahn 1928 die alten Viadukte verstärkt. Zeitgleich wurden zwischen 1922 und 1937 die filigranen Bahnsteighallen, die vom Rauch der Dampfloks stark zerfressen waren, erneuert.

Die Hallen überstanden den Zweiten Weltkrieg, das Empfangsgebäude war dagegen stark zerstört und wurde 1950 in vereinfachter Form neu errichtet. Als Ostbahnhof neu eröffnet, entwickelte er sich zur Drehscheibe des internationalen Verkehrs in Ost-Berlin. Nach dem Ausbau des Bahnhofs Lichtenberg für den Binnenverkehr reiften auch für den Ostbahnhof in den 70er Jahren Sanierungspläne. 1983 rückten die Bauarbeiter an und schon 1987 konnte ein neues Empfangsgebäude übergeben werden.

Weitere Bauabschnitte galten der Bahnsteighalle, alle Gleise und Bahnsteige wurden saniert. Der Umbau erfolgte zeitgleich zur Stadtbahnsanierung ab 1995. Dafür wurden sämtliche Viadukte und die Strecke für ICE- und Regionalzüge ertüchtigt.

Mit der Einweihung des erneut umgebauten Empfangsgebäudes, dessen Vorhalle durch die gläserne Fassade freundlich beleuchtet wird, erfolgte auch die Rückbenennung in Ostbahnhof. Seitdem befinden sich im Bahnhof ein InterCity-Hotel und 50 Läden, die auch am Wochenende zum Bummeln einladen.

Doch auch in der Gegenwart wird noch fleißig gebaut. Im Frühjahr 2010 wurden die Bahnsteigtunnel für 1,4 Millionen Euro mit neuer Beleuchtung und Beschallung versehen. Ein echter Qualitätssprung waren die LCD-Anzeiger, mit denen die Reisenden besser informiert werden können. Seit Mai dieses Jahres werden die historischen Bahnhofshallen aus den 20er Jahren entrostet und mit neuem Schutzlack versiegelt.

Namensgebung – Ein Bahnhof mit vielen Namen

Kein Bahnhof kommt ohne einen Namen aus – dem Ostbahnhof gehören gleich fünf. 1842 eröffnet als Frankfurter Bahnhof wurde er wenige Monate später zum Niederschlesisch-Märkischen Bahnhof. Mit seiner Höherlegung und dem Anschluss an die Stadtbahn nannte man die Station in ihrer Glanzzeit Schlesischer Bahnhof. umbenennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Name politisch nicht mehr tragbar, die neue Bezeichnung Ostbahnhof dagegen neutral. Zwischen 1987 und 1998 war er der Hauptbahnhof, und nach der Stadtbahnsanierung wurde er wieder zum Ostbahnhof.

Unterm Viadukt – mit der Bahn zum Bett

Hier hat das historische gemauerte Stadtbahnviadukt seinen Hier hat das historische gemauerte Stadtbahnviadukt seinen
Startpunkt. Am Bogen Nummer 1 wird allerdings gerade gebaut.
Nah am Viadukt schlafen Berlinbesucher im Herzen der
Metropole mit bester Verkehrsanbindung.

„Mit der Bahn zum Bett“ lautet der Slogan der InterCityHotels, deren Konzept es ist, in Bahnhofsnähe zentrale Übernachtungs- und Tagungsangebote bereitzustellen. Am Ostbahnhof finden sowohl zeit- und kostenbewusste Geschäftsreisende als auch kultur-interessierte
Städtereisende Unterkunft. Die kostenfreie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin ist im Zimmerpreis enthalten.

Fotos: David Ulrich
Text: Nina Dennert/Oliver Zauritz