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14.10.2011

Stadtbahn Geschichten - Alexanderplatz

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Ein überdimensionaler Platz

Länge, Breite, Höhe, Zeit – in allen vier Dimensionen hat der Alexanderplatz viel zu bieten. Die räumliche Ausdehnung ist nicht zu knapp, besonders weil oft nicht nur die Adresse selbst, sondern auch die angrenzenden Gebiete mit gemeint sind, wenn man in Berlin vom Alex spricht.

Zum Beispiel steht der Fernsehturm streng genommen an der Panoramastraße, dennoch verortet man das höchste begehbare Bauwerk Westeuropas am Alexanderplatz.

Weit in den Himmel strecken sich die markanten Hochhäuser, das Hotel Park Inn, das Haus des Lehrers und das Haus des Reisens, alle stammen aus den 60er Jahren und haben beachtliche Geschosszahlen zu bieten.

 

In Neukölln Groß, frisch saniert und beliebter denn je ist der Alexanderplatz.

Und auch in die Tiefe geht es hier, das weit verzweigte System von Unterführungen verbindet den S- und Regionalbahnhof mit drei U-Bahn-Linien.

Auch Straßenbahnen und Busse halten am oder auf dem Alexanderplatz, der ansonsten den Fußgängern vorbehalten, aber von Autoverkehr umgeben ist.

Schließlich ist er einer der Knotenpunkte der Stadt. 350 000 Fahrgäste und 50 000 Fahrzeuge täglich sowie bis zu 10 000 Passanten in der Stunde zählen zur beachtlichen Verkehrsbilanz des Platzes.

 

 


In Neukölln Entdeckungen an der Humboldtbox

Was soll man nun an diesem Platz entdecken, der derart bekannt und belebt ist, der in der Kunst verewigt wurde und der wegen der oft wechselnden Konzepte und Bebauungspläne sowie wegen des nicht immer ganz gesitteten Großstadtlebens, das hier herrscht, ohnehin dauernd im Gespräch ist?

Die Shoppingmöglichkeiten wachsen, die Wahrzeichen, die es hier in ziemlicher Dichte gibt, kennt man eigentlich längst. Manchmal hetzt man als Passant einfach mit Scheuklappen über den Platz, um nicht von den vielen für ihre Anliegen werbenden Interessengruppen angesprochen zu werden.



In Neukölln Fernsehturm bei Nacht

Doch der Satz aus Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ ist heute noch genauso wahr wie vor 82 Jahren: „Am Alexanderplatz reissen sie den Damm auf […]. Man geht auf Brettern.“ Kaum ein Ort ist so sehr die sprichwörtliche „Baustelle Berlin“.

Deshalb gibt es immer wieder etwas Neues zu sehen; und manchmal kennt man selbst die Dinge, an denen man ständig vorbeiläuft, tatsächlich doch gar nicht so genau. Zum Beispiel hat unterm Fernsehturm ein neues Restaurant eröffnet, das Mio, das sich selbst als „home of style, taste and glam“ bezeichnet.

Wer es gerne bodenständiger mag, sollte die Kantine im historischen Gewölbekeller des Roten Rathauses versuchen. Hier wird noch alles selbst gekocht. Der Bürgermeister mag angeblich besonders gerne die Königsberger Klopse und die Sauren Eier.

Hier ist man schon fast am spannendsten aktuellen Neuzugang der Gegend – der Humboldtbox. Im und um den futuristischen Platzhalter für das Kulturbauvorhaben kann man weitere Entdeckungen der vierten Dimension in beide Richtungen machen.

 


In Neukölln Die Weltzeituhr ist ein angesagter Treffpunkt.

In die Zukunft und über das historische Stadtquartier schauen kann man auf den verschiedenen Ausstellungsebenen der futuristischen und unterhaltsam gestalteten Box.

Hier gibt es Informationen zum Bauprojekt Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses/Humboldt-Forum und einen Vorgeschmack auf die zukünftigen Bewohner des Hauses.


Die Vergangenheit und Gründungsgeschichte Berlins erschließt sich in den archäologischen Ausgrabungen. (Unentgeltliche Führungen durch die Grabungen am Schlossplatz gibt es freitags 14 bis 15.30 Uhr, Treffpunkt ehemaliges Staatsratsgebäude – heute ESMT, Schlossplatz 1.)

 


Direktanschluss zum Treffpunkt Weltzeituhr

In Neukölln Der Alexanderplatz um 1900
Foto: Punkt 3-Archiv

Alexanderplatz als Taktgeber der Metropole

Der Alexanderplatz war immer bedeutend. Früher „Ochsenmarkt“, ist er heute Verkehrsknoten und Shoppingmeile zugleich.

Seit 1882 halten Fern- und Vorortzüge in der von Johann Eduard Jacobsthal entworfenen schlossartigen Station im zeitgemäßen Stil der italienischen Renaissance.

Unter der S-Bahn befindet sich das Werk seines Schülers Alfred Grenander, dessen Bahnsteighalle für die U2 antike Elemente aufgreift.

Als Mitte der 1920er Jahre der U-Bahnbau seinen Höhepunkt erreichte, schuf Grenander mit dem farbig-gefließten U-Bahnhof Alexanderplatz sein bis heute modernes Hauptwerk. Für die neue U5 und U8 wurde der Platz komplett umgestaltet.

Umsteigefreundlich ist der Weg zwischen U-Bahn und S-Bahn erst seit dem kompletten Umbau des Stadtbahnhofs von 1922 bis 1932. Am Ende der Bauarbeiten galt der Alexanderplatz mit seinem Verkehrstrubel, Einkaufstempeln und Leuchtreklamen als Taktgeber der Metropole.

1964 erhielt der Bahnhof eine Halle mit großzügiger Verglasung, schnörkellos im Stil der Zeit. Fortan konnten hier zusätzliche S-Bahnen aus Richtung Osten wenden. Seit den 80er Jahren haben Fahrgäste aus Marzahn immer einen direkten Anschluss zum Treffpunkt Weltzeituhr. Die ist vom Bahnhof nur einen Steinwurf entfernt. Beim Umbau von 1995 bis 1998 wurden die geschlossenen Viadukte freigelegt. Schaufenster geben Einblick in zahlreiche Geschäfte. Dennoch bleiben die alten Stile stets präsent, und man kann auf die Spurensuche der Moderne gehen.


Namensgebung – Vom König zum Zar Alexander

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Alexanderplatz ein Parade- und Exerzierplatz für das Militär und ein Viehmarkt, weshalb er zunächst Ochsenplatz hieß. Offizielle Dokumente bezeichneten ihn später als Königs Thor Platz, seit der preußische König Friedrich I. nach seiner Krönung in Königsberg 1701 durch das Georgentor in Berlin eingezogen und dieses so zum Königstor geworden war. Anlässlich des Besuchs des russischen Zaren Alexander I., der auf dem Paradeplatz am 25. Oktober 1805 empfangen wurde, ließ König Friedrich Wilhelm III. den Platz in Alexanderplatz umbenennen.


Unterm Viadukt – 1. DDR-Motorradmuseum

Montag bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr kann man in sechs Stadtbahn-Rundbögen auf eine Zeitreise gehen. Fast alle Modelle aus 40 Jahren Zweirad-Produktion bietet die weltweit größte öffentlich zugängliche DDR-Motorrad-Ausstellung.

Mehr als 80 liebevoll restaurierte Exponate der bekannten Hersteller Simson, MZ und IWL sowie Raritäten werden in originalgetreu gestalteten Situationen gezeigt.

Das Museum steht auf historischem Boden. Bei den Bauarbeiten wurde die Markthallenstraße aus dem Jahr 1897 freigelegt, die ein sehr schönes Gesamtbild mit den ausgestellten Motorrädern ergibt. Rochstraße 14c neben dem Berlin Carré.

Fotos: David Ulrich
Text: Nina Dennert/Oliver Zauritz