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Von der Nachkriegszeit bis hin zum Mauerfall (1945-1989)


Die S-Bahn in den Wirren der Nachkriegszeit

Einbruchstelle unter dem Tempelhofer
Ufer im Okt. 1945 (Foto Max Krajewsky)
Kriegszerstörungen, Materialmangel und eine unregelmäßige Stromversorgung durch akuten Kohlenmangel – trotz aller Hindernisse gelang es im Juni 1945 den ersten S-Bahn-Streckenabschnitt zwischen Wannsee und Schöneberg wieder zu befahren, wenn auch noch unregelmäßig. Schon bald beförderte die S-Bahn wieder rund 420 Millionen Fahrgäste, was einem Drittel des öffentlichen Personennahverkehrs in Berlin entsprach.

 

Der Mauerbau trennt Berlin

Der Bau der Mauer, der am 13. August 1961 seinen Anfang nahm, veränderte das Leben der Menschen in Deutschland drastisch. Vor allem Berlin und somit auch seine Nahverkehrssysteme waren von dieser Zäsur in starkem Maße betroffen. Durch die Abriegelung der Grenzen wurde auch der S-und U-Bahn-Verkehr unterbrochen.

S-Bahnhof Potsdamer Platz 1965S-Bahnhof Potsdamer Platz um 1965

Schon am 17. August riefen Politiker und Gewerkschaften als Reaktion auf den Mauerbau zum S-Bahnboykott in West-Berlin auf. Betreiber der S-Bahn war zu diesem Zeitpunkt für beide Stadthälften die ostdeutsch kontrollierte Reichsbahn.

Die Solidaritätsgeste mit „den bedrängten Brüdern im Ostteil unserer Stadt“, wie es der amtierende Regierende Bürgermeister Willy Brandt formulierte, sollte verhindern, dass mit dem „Westgeld“ der Fahrgeldeinnahmen der Stacheldraht und somit der Mauerbau finanziert werden konnte.

Der Boykott fand großen Anklang: Innerhalb kürzester Zeit spielte die Zahl der Fahrgäste der S-Bahn im West-Berliner Nahverkehr keine wesentliche Rolle mehr.

 

Eine S-Bahn - zwei unterschiedlichen Entwicklungen

Eröffnung S-Bahnstrecke Adlershof -
Schönefeld, Präsident Arndt 26.02.1962
(Foto Wolfgang Hein)

Während der kommenden Jahre nahm die Entwicklung der S-Bahnen im Ost- und im Westteil der Stadt unterschiedliche Verläufe: In den 70er Jahren beförderte die S-Bahn in West-Berlin im Schnitt nur noch 70.000 Fahrgäste am Tag, die Aufgaben der S-Bahn im West-Berliner Nahverkehr wurden zunehmend durch das wachsende Netz der U-Bahn übernommen.

Im Ostteil der Stadt hingegen wurde das S-Bahn-Netz zur Erschließung neuer Wohngebiete fortwährend erweitert, die Fahrgastzahlen stiegen und erreichten ihren Höhepunkt 1973. Zu den Zehnten Weltfestspielen beförderte die S-Bahn in Ost-Berlin täglich 1,2 Millionen Fahrgäste, doppelt so viele wie an normalen Werktagen.

 

Der Streik der West-Berliner S-Bahner

1980 traten die West-Berliner Beschäftigten der ostdeutschen Reichsbahn in einen zehntägigen Streik: Vorangegangen war eine Kündigungswelle der Deutschen Reichsbahn gegen in West-Berlin ansässige Beschäftigte. Nach zehn Tagen stellten die Eisenbahner ihren Streik ein. Viele von ihnen wurden aufgrund ihrer Streikbeteiligung gekündigt, andere kehrten freiwillig nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurück. Als Reaktion auf den eingetretenen Personalmangel bot die Deutsche Reichsbahn, die weiterhin Betreiber der Berliner S-Bahn war, nur noch einen eingeschränkten S-Bahn-Verkehr an. Befahren wurden fortan lediglich knapp 73 Kilometer des West-Berliner Netzes. Wichtige Strecken wie die Ringbahn, die Wannseebahn und die Verbindung nach Spandau wurden in einen Dornröschenschlaf geschickt.

Die BVG übernimmt die „Steuerung“

Am 30. Dezember 1983 kam es im Rahmen einer Vereinbarung zwischen Deutscher Reichsbahn und dem Berliner Senat zur Übergabe der Betriebsrechte für die West-Berliner S-Bahn an die BVG. In diesem Jahr nutzten nur noch 8.000 bis 10.000 Menschen täglich die S-Bahn im Westteil der Stadt. Am 9. Januar 1984 trat die Übernahme in Kraft. Anfänglich wurden noch weniger Strecken als zuvor befahren, doch der öffentliche Druck führte dazu, dass die Wiederbelebung des S-Bahn-Netzes schneller als geplant voranging. Mit der Wannseebahn wurde 1985 eine Verbindung wieder belebt, die knapp fünf Jahre brach lag.

Im September 1989 begann der Berliner Senat im Westteil der Stadt mit den Bauarbeiten zur Wiederherstellung des Südrings. Noch ahnte niemand, dass knapp zwei Monate später die Grundlage für die Wiederherstellung des gesamten S-Bahnrings geschaffen werden sollte – durch den Mauerfall und die Wiedervereinigung.



Fotos: Historische Sammlung der Deutschen Bahn AG

 

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