S-Bahn Berlin Deutsche Bahn S-Bahn Berlin

Fahrplanauskunft

Routenplaner Berlin & Brandenburg

Einen Tag später Einen Tag früher

Weiter zur vollen Stunde Zurück zur vollen Stunde

Deutschland / EU www.bahn.de

„Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“

Ein Gespräch mit Peter Buchner,
Sprecher der Geschäftsführung
und Jürgen Konz, Geschäftsführer Produktion

 

Warum dauert es so lange, wieder das volle Angebot aufs Gleis zu setzen?

Peter Buchner: Auf Hochtouren wird in den Werkstätten daran gearbeitet, die Fahrzeuge wieder zuverlässig und langfristig einsatzfähig zu machen. Die Herausforderung liegt dabei in der Fülle von Aufgaben, die nach der gründlichen Bestandsaufnahme nun schnellstmöglich bewältigt werden müssen. Insgesamt 16 Einzelpositionen stehen auf dem Pflichtenzettel. Darunter der größte Radsatztausch der Unternehmensgeschichte, der alle drei Baureihen betrifft.

Jürgen Konz: Die verschiedenen technischen Themen, mit denen die S-Bahn zu kämpfen hat, können nicht alle gleichzeitig bearbeitet werden. Wir konzentrieren uns daher auf drei Komplexe: Mit den Radsatztauschen können die Kontrollintervalle wieder normalisiert werden. Allein bei der Baureihe 481 sind es beispielsweise 4000 Radsätze an allen 500 Viertelzügen. Seit letztem Dezember hat ein Drittel dieser Züge neue Achsen und Räder bekommen, bis Ende 2011 wollen wir damit fertig sein.

Zweiter zentraler Punkt für die Entspannung der Betriebssituation und die Winterfestigkeit der Fahrzeuge ist die Überarbeitung der Besandungsanlagen, vor allem bei der wichtigen Baureihe 481. Dritter vordringlicher Punkt ist der Tausch der Fahrmotoren am gleichen Fahrzeugtyp gegen gründlich aufgearbeitete. Dies ist ebenfalls wichtig für die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge in der kalten Jahreszeit.

 

Wann werden diese Maßnahmen den Fahrzeugmangel spürbar beheben? Können Sie konkrete Termine nennen?

Jürgen Konz: Noch ist es so, dass bei der normalen Wartung auch immer mal wieder neue Probleme erkannt werden.
Wenn man – wie wir das seit zwei Jahren tun – bei der Analyse jeden Stein umdreht, ist das die Folge. So müssen zum Beispiel auch die Frontscheiben der Baureihe 480 neu geklebt werden. Deshalb tun wir uns so schwer, konkrete zeitliche Zusagen zu geben.

Peter Buchner: So groß auch das Bestreben ist, möglichst viele Wagen möglichst schnell wieder einsatzbereit zu machen: die schnellste Lösung ist nicht immer die richtige.

Zum Beispiel hat sich gezeigt, dass eine zunächst gewählte Lösung, den Motor mittels doppelter Lackierung und Filz immun gegen Flugschnee zu machen, nicht von langer Dauer ist. Also müssen die Motoren komplett aufgearbeitet werden. Damit haben wir unverzüglich begonnen. Von den 3000 Motoren sind bereits 1300 behandelt. Jedoch können wir trotz aller Anstrengungen nicht bis zum kommenden Winter fertig sein.

Zusätzliche Hemmschuhe für unser Programm sind die notwendigen Ausschreibungen der millionenschweren Teilebeschaffungen und die langen Lieferfristen der Industrie. Genauso wie die Tatsache, dass es für einige Probleme gar keine serienreifen Lösungen gibt. Diese Faktoren führen dazu, dass wir die zeitlichen Abläufe nicht alleine in der Hand haben.

 

Können Sie ein Beispiel dafür geben?

Jürgen Konz: Bei den Besandungsanlagen gibt es beispielsweise weltweit noch keine serienreifen Anlagen, um die Funktion zu kontrollieren. Bei der Berliner S-Bahn ist die sonst bei Eisenbahnen übliche Sichtkontrolle außen am Fahrzeug wegen der seitlich verlaufenden Stromschiene nur an wenigen Stellen im Netz möglich.

Dies bindet Fahrzeuge und macht den Betrieb komplex und damit anfällig für Störungen. Daher wird eine völlig neue technische Lösung gemeinsam mit der Industrie entwickelt. Noch läuft die Ausschreibung für die Einbausätze der Baureihe 481.

Um Zeit zu sparen, werden wir sogar das unternehmerische Risiko eingehen, mit dem Einbau sofort bei der Lieferung der Anlagen zu beginnen und den Zulassungsprozess – der leider auch langwierig ist – parallel betreiben. Dies birgt natürlich das Risiko, dass wir an den Fahrzeugen nochmals nacharbeiten müssen, aber wir wollen bei der Stabilisierung der Situation keine Zeit verlieren.

Bis die automatische Funktionskontrolle einwandfrei funktioniert und endgültig abgenommen ist, wird die Sicherheit natürlich durch die derzeitigen Kontrollen außen am Fahrzeug sichergestellt.

 

Dauert das nicht alles viel zu lange?

Jürgen Konz: Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir wieder einen zuverlässigen und vollständigen Betrieb bieten können, wenn wir im nächsten Jahr die beschriebenen vordringlichen Themen abgearbeitet haben.

Peter Buchner: Die Sicherheit unserer Fahrgäste ist die Grundlage unseres Geschäfts. Daher gilt für die Ertüchtigung unseres Fahrzeugparks uneingeschränkt, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht. Auch wenn das bedeutet, dass Fahrzeuge nicht so schnell zur Verfügung stehen, wie wir uns das alle wünschen.

Fotos: David Ulrich