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Fahrzeugverfügbarkeit, Hochläufe und Rückschläge im Fahrtenangebot


Die Radscheibe

Seit dem Sommer 2009 kam es bei der S-Bahn Berlin wiederholt zu Rückschlägen im Fahrtenangebot. Noch Anfang 2009 waren zur morgendlichen Hauptverkehrszeit regelmäßig mehr als 540 Viertelzüge im Linieneinsatz.

Doch im Sommer 2009 erfolgte der erste Einbruch: Als Folge des Radscheibenbruchs vom 01. Mai 2009 in Berlin-Kaulsdorf verfügte das Eisenbahn-Bundesamt zur Gewährleistung eines sicheren Eisenbahnbetriebs, dass die Räder der Züge der Baureihe 481 bereits nach deutlich weniger gefahrenen Kilometern auszutauschen seien.

Die betriebliche Umsetzung dieser Maßgabe führte dazu, dass am 20. Juli 2009 zunächst nur 165 Viertelzüge eingesetzt werden konnten. Die Folge war, dass der Betrieb auf vielen Strecken eingestellt werden musste. So fuhren beispielsweise in Spandau und Strausberg Nord, aber auch in Alexanderplatz, Zoologischer Garten und am Hauptbahnhof keine S-Bahn Züge, zur teilweisen Kompensation konnte DB Regio auf der Stadtbahn zusätzliche Züge einsetzen.

Seither unterliegen die Räder engen Prüfintervallen. Zudem konnte Ende 2010 damit begonnen werden, die werkseitig eingebauten Räder gegen neue, fester konstruierte Räder auszutauschen. Der Abschluss der Umrüstung aller Viertelzüge der Baureihe 481 ist für Ende 2011 geplant.

Der S-Bahn Berlin gelang es in der Folge, schrittweise wieder mehr Züge einzusetzen. Rechtzeitig zum Beginn der Leichtathletik-WM Mitte August 2009 konnten die Zuschauer wieder mit der S-Bahn zum Olympiastadion anreisen, Anfang September 2009 waren rund 340 Viertelzüge wieder im Einsatz.


Die Bremszylinder

Doch dann folgte der Tiefpunkt: Am 09.09.2009 waren nur 155 Viertelzüge im Linieneinsatz. Was war geschehen? Unmittelbar zuvor wurde im Rahmen turnusmäßiger Überprüfungen festgestellt, dass Wartungsmaßnahmen an Bremszylindern von Zügen der Baureihe 481 mangelhaft umgesetzt wurden.

Die noch frisch amtierende Geschäftsführung der S-Bahn Berlin war gezwungen, erneut einen Großteil dieser Züge außer Betrieb zu nehmen. Die verkehrlichen Auswirkungen waren ähnlich verheerend wie sechs Wochen zuvor.

Anfang 2010 wurden die letzten in Einsatz befindlichen Bremszylinder entweder aufgearbeitet oder gegen Neuteile ersetzt. Seither werden auch bei dieser Komponente enge Prüf- und Tauschfristen umgesetzt.

Im Rahmen des sich anschließenden Hochlaufes kamen ab November 2009 wieder mehr als 400 Viertelzüge zum Einsatz. Auf allen Strecken fuhren wieder die rot-gelben Züge, wenngleich seltener oder mit weniger Wagen als Anfang 2009.

 

Witterungsbedingte Störungen und umfassende zusätzliche Sonderuntersuchungen

Mit dem Winter 2009/2010 folgte jedoch der nächste Einbruch. Dieser Winter war in seiner Kombination aus Schneemenge, Wind und Frost so streng wie kein vorheriger seit Indienststellung der Baureihe 481 Ende 1996.

Fahrzeugausfälle aufgrund von Feuchtigkeitseintritt in elektrische Komponenten waren an der Tagesordnung, vereiste Türen und zugefrorene Weichen trugen ihr Übriges bei. Im Januar 2010 konnten häufig nur noch weniger als 300 Viertelzüge eingesetzt werden.

Verglichen hierzu mag der hitzebedingte Rückfall von gut 410 Viertelzügen auf etwa 380 Viertelzüge im Juli 2010 nur als Sommer-Delle erscheinen. Aber auch diese war mit erneuten Einschränkungen für unsere Fahrgäste verbunden. Hatte sich die Fahrzeuglage in der Folge wieder stabilisiert, so schlug auch der Winter 2010/2011 mit voller Härte zu. Sowohl Anfang als auch Mitte Dezember wurde die Fahrzeugtechnik erneut an ihre Grenzen geführt.

Diesmal trugen zudem vereiste Sandstreueinrichtungen zur Reduzierung der Verfügbarkeit bei, da die Züge in diesem Fall nur mit 60 km/h fahren dürfen. Auch waren die zur Einhaltung von Prüfintervallen und Tauschfristen zwingend erforderlichen Werkstattzuführungen aufgrund festgefrorener Weichen zum Teil nicht möglich, was die zusätzliche Abstellung von Zügen unausweichlich machte. Zum Jahreswechsel 2010/2011 musste somit zum dritten Mal auf bestimmten Streckenabschnitten (u.a. Spandau und Strausberg Nord) der Betrieb eingestellt werden. Auf den zentralen Strecken konnte diesmal jedoch immerhin ein Notbetrieb aufrecht erhalten werden.

Im Hinblick auf den Winter 2011/2012 werden Sommer und Herbst 2011 genutzt, um die Antriebstechnik, die Besandungsanlage und die Türen deutlich besser als zuletzt gegen strenges Winterwetter zu schützen.

 

Der Hochlauf

Im Sommer 2011 stellt sich der Hochlauf der Fahrzeugverfügbarkeit kontinuierlich dar. Im Juli waren regelmäßig 450 Viertelzüge im Einsatz. Mit diesen wird seit dem 18.07.2011 erstmals ein 10-Minutentakt nach Teltow Stadt angeboten. Dennoch hat die S-Bahn Berlin zur vollständigen Erfüllung des mit den Ländern Berlin und Brandenburg bestehenden Verkehrsvertrages noch ein gutes Stück des Weges vor sich: Wenn im Sommer 2012 der neue Flughafen Berlin Brandenburg seinen Betrieb aufnimmt, muss die S-Bahn Berlin in der Hauptverkehrszeit 575 Viertelzüge einsetzen.

Für diese letzte Phase des Hochlaufes kommt nun der Baureihe 485 eine wichtige Rolle zu. Denn Ende Juli 2011 konnte nur jeder dritte Zug dieser Baureihe eingesetzt werden, da bei den anderen unter anderem Räder, Achsen und Wagenkästen entweder ausgetauscht oder aufwändig saniert werden müssen.

Trotz der Vielzahl der Rückschläge des Fahrtenangebots sollte aber auch ein anderer Aspekt berücksichtigt werden: In der S-Bahn Krise markiert die Entgleisung am 01.05.2009 in Berlin-Kaulsdorf den einzigen von der Fahrzeugtechnik verursachten Unfall im Fahrgasteinsatz.