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8.9.2011

Wie 80 Viertelzüge wieder fit für die Schiene gemacht werden

Wagenkästen der S-Bahn-Baureihe 485 werden im DB Werk Wittenberge komplett erneuert / Redesign des Fahrgastraumes bringt höheren Komfort

Einsatz der Fahrzeuge der Baureihe 485 im Berliner S-Bahn-Verkehr
erfolgt nach Sanierung und Neugestaltung des Innenraums
Die Sanierung des Fahrzeugparks der S-Bahn Berlin schreitet voran. In enger Zusammenarbeit mit den Werken der DB Fahrzeuginstandhaltung werden 80, für den längerfristigen Fahrbetrieb bis Ende 2017 vorgesehene, Viertelzüge der Baureihe 485 wieder fit gemacht.

Darunter sind auch 20 Viertelzüge, die bereits stillgelegt waren und nun reaktiviert wurden. Die Kosten für alle Arbeiten betragen rund 20 Millionen Euro.

Für die Komplettsanierung der Wagenkästen und das Redesign des Fahrgastinnenraums ist das brandenburgische DB Werk Wittenberge zuständig. Im Oktober 2011 sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein, im Anschluss kommen die Züge zur Revision ins Werk nach Dessau.

 



27 komplett sanierte Viertelzüge der Baureihe 485, im Volksmund aufgrund ihrer vormals roten Farbe „Coladosen“ genannt, sind bereits im täglichen Einsatz. „Mit ihrem über Jahrzehnte gewachsenen Know How sind die Fahrzeugexperten im Werk Wittenberge ein unverzichtbarer Partner, um weitere Teile unserer Fahrzeugflotte für die nahe Zukunft fit zu machen“, sagt Peter Buchner, Geschäftsführer der S-Bahn Berlin. „Wir sind sehr froh, dass die bahneigenen Werke in Wittenberge und Dessau diesen Auftrag übernommen haben. Wegen der Vielzahl der anstehenden Arbeiten wären wir nicht in der Lage gewesen, diese Arbeiten in Schöneweide selbst durchzuführen.“

Nachdem eine europaweite Ausschreibung der Arbeiten kein Ergebnis gebracht hatte, setzte das Instandhaltungswerk Wittenberge bereits im Jahr 2009 im Auftrag der S-Bahn Berlin ein eigenes Team für dieses Projekt ein, in dessen Rahmen bis zu 65 Mitarbeiter tätig sind.

Projektleiter Lutz Lechner, S-Bahn-Chef Peter Buchner und der für das
S-Bahn-Projekt verantwortliche Meister Ingolf Glockzin vor der eigens
eingerichteten Montagestraße für die Baureihe 485.

„Das Projekt Baureihe 485 ist für uns eine ganz besondere Herausforderung“, erklärt Dietmar Schmidt, Werkleiter Wittenberge der DB Fahrzeuginstandhaltung.

„Zunächst haben wir Fahrzeuge auseinanderbauen müssen, um die erforderlichen Fahrzeugdokumentationen und Arbeitsanweisungen erarbeiten zu können. Anschließend galt es, neue technische Lösungen für Prozesse zu entwickeln, die bislang nicht zum Arbeitsalltag in unserem Werk gehörten. Außerdem haben wir eine eigene Montagestraße aufgebaut.“

Die Sanierung des Wagenkastenbodens und der damit verbundene Teilaustausch der hierbei verbauten Integralbleche wurde erforderlich, nachdem bei routinemäßigen Untersuchungen im Jahr 2008 eine Rissanfälligkeit des verwendeten Materials festgestellt wurde.

 



Gutachter der DB Systemtechnik ermittelten, dass Fertigungsfehler beim damaligen Bau der Züge dazu führten, dass das Material im Fußboden des Wagenkastens auf Höhe der Drehgestelle den dauerhaften Belastungen des Betriebseinsatzes nicht in jedem Fall gewachsen ist. Die Experten vermuten eine ungenügende Aushärtung der Schweißnähte, so dass sich bereits während der Fertigung oder kurz danach kleine Anrisse gebildet haben. Um dies künftig auszuschließen, wurde eine neue Abspannvorrichtung entwickelt, in der die Züge 72 Stunden ruhen, und die Dicke der Aluminiumplatten verstärkt.


Ausbau der Innenausstattung

Zur Vorbereitung der Sanierung des Wagenkasten wird die gesamte Innenausstattung entfernt. Dazu zählen die Deckenverkleidungen und -platten, Sitzgestelle, Trennwände, Heizung, Türen und Fenster. Intern sprechen die Handwerker davon, dass sie den S-Bahn-Zug „komplett nackt machen“.

Entfernung elektrischer Ausrüstung

Auch die elektrische Ausrüstung muss
für die Schweißarbeiten weichen.
Pro Viertelzug müssen zehn Kilometer
Kabel - das sind 3610 einzelne Drähte -
zurückgezogen, neu etikettiert und
zum Teil ausgetauscht werden.



Einschweißen neuer Bodenbleche

Nach dem Herauslösen alter Boden-
bleche erfolgt das Einschweißen der neuen Bleche. Im Anschluss müssen die Schweißnähte aushärten. Die Dicke der Aluminiumplatten wurde von vier auf fünf Millimeter erhöht, um eine höhere Stabilität bei geringer Gewichts-steigerung zu erreichen.

 

72 Stunden Ruhezeit

Im DB Werk Wittenberge wurde eine spezielle Abspannvorrichtung entwickelt, in der die Fahrzeuge nach der letzten Schweißnaht eine 72-stündige Ruhezeit einhalten. Dadurch soll sichergestellt werden, dass sich der Aluminiumwagenkasten nicht verzieht und das Material aushärtet, um die Grundfestigkeit zu erreichen.

Redesign - der neue Fahrgastraum

Die Gestaltung des Fahrgastraums ist überarbeitet worden. Im Rahmen eines Redesigns erhalten die Fahrzeuge aufgearbeitete Windfangwände, Seiten- und Deckenverkleidungen, neu gestaltete Sitzmöbel sowie eine neue Innenfarbgebung, die an die übrigen S-Bahn-Baureihen angeglichen wurde.



Entwickler und Berater: H.-G. Dirks

Hans-Günther Dirks hat die Baureihe 485 in den 1980er Jahren mitentwickelt und ist nun wichtiger Berater, um die Kompletterneuerung der Wagenkästen zu realisieren. Hier zeigt er im Zuginnenraum, wo die Integralbleche ausgetauscht wurden.




 

Fotos: David Ulrich
Text: Claudia Braun