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"Mein Sechser im Lotto"

Zwei Lokführer berichten von ihrem Jobwechsel zur S-Bahn

 

Der Schichtdienst – Flexibilität für die Familie?

Der Geruch von frisch gegossenem Beton – Madeleine Musielak genoss ihn jeden Tag wieder in ihrem Job als Bauleiterin. Auch das selbstständige Arbeiten lag ihr, und so hätte sie noch jahrelang Baustelle um Baustelle betreuen können.  „Doch durch einen Schicksalsschlag, einen familiären Pflegefall, musste ich eines Tages aber die Arbeitszeit reduzieren“, erzählt sie.

Nun kamen die Herausforderungen ihrer Tätigkeit doppelt zum Tragen: „Denn bei Bauprojekten gibt es keinen klassischen Feierabend, und oft sind die Baustellen auch nicht am Wohnort und mit Anreisen verbunden. All das, was mich vorher nicht gestört hatte, wurde nun zur Belastung.

Genau zu dieser Zeit erreichte mich über die Agentur für Arbeit die Information zur Lokführer-Weiterbildung“, fährt sie fort. Die Aussicht auf einen Schichtdienst reizte Musielak, denn sie war sich sicher, flexible Arbeitszeiten würden es ihr ermöglichen, der familiären Verantwortung besser gerecht zu werden. Die Tatsache, auch noch einen verlässlichen Feierabend zu haben, veranlasste sie, eine Bewerbung abzuschicken.  

Triebfahrzeugführerin Madeleine Musielak

Frauen als Lokführerinnen? Über 40? Aber gern!

„Zu meiner Freude wurde ich genommen, und ich gebe es zu: Es hat mich überrascht. Eine Lokführerin ist ja auch heute noch keine Selbstverständlichkeit und zum Bewerbungszeitpunkt war ich bereits über 40 Jahre alt. Im Vorstellungsgespräch nahm man sich sehr viel Zeit für mich, und ich merkte, dass auch sehr gern Frauen eingestellt werden. Und das Alter war ebenfalls kein Hindernis“, sagt sie lachend.

Weiterbildung mit Arbeitsplatzgarantie

Seit 2013 fährt Musielak nun tonnenschwere S-Bahnen durch die Stadt. Der Schichtdienst gibt ihr, so wie es sich erhofft hatte, die Möglichkeit, viele Angelegenheiten tagsüber zu erledigen.

Die Regelung, dass der Schichtplan im Dezember für das folgende Jahr an jeden einzelnen Lokführer geschickt wird, nimmt sie als „Luxus“ wahr, der ihr Planungssicherheit gibt. „Was meine Entscheidung, Lokführerin zu werden, ebenfalls erheblich beeinflusst hat, war die Arbeitsplatzgarantie. Bei dieser Weiterbildung ist, mit Bestehen der Prüfungen, der Arbeitsplatz als Lokführer sicher. Ich kenne kaum eine Weiterbildung, die das bietet.“

Vom Glasermeister zum Lokführer

Marko Jahn, der ebenfalls seit 2013 als Lokführer klare Ansagen an Berlins S-Bahnhöfen macht, erzählt: „Vor meinem jetzigen Job war ich jahrelang als Glasermeister tätig und so gern ich in meinem Beruf gearbeitet habe, irgendwann war klar, dass ich mich beruflich verändern musste. Ein Bekannter machte mich auf die Lokführer-Weiterbildung bei der S-Bahn Berlin aufmerksam, die über die Agentur für Arbeit angeboten wurde. Viele Lokführer-Anwärter machen sich Gedanken, ob die  Vereinbarkeit von Familie und Schichtdienst in diesem Berufszweig möglich ist. Bei mir war das kein Thema, denn ich konnte auf die Unterstützung meiner Frau zählen. Wir  wussten beide, dass wir diesen neuen Alltag auch als Familie mit Kind hinbekommen würden.“

Triebfahrzeugführer Marko Jahn

Noch einmal die Schulbank drücken

Doch noch einmal für ein dreiviertel Jahr die Schulbank zu drücken, wurde für Jahn zur Herausforderung. Er stellte fest, dass man, um eine S-Bahn durch Berlin fahren zu können, ein großes Lernpensum meistern muss.

Doch er bemerkte, dass es machbar war, denn der Weiterbildungskurs, den er besuchte, bestand aus 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, von denen 13 die Prüfung im ersten Anlauf bestanden. „Auch wenn es viel Arbeit war, es hat sich gelohnt. Man erhält beispielsweise das Gehalt pünktlich und hat bezahlten Urlaub – wenn man aus der freien Wirtschaft kommt, weiß man das zu schätzen“, sagt er.

Lokführer: ein hohes Maß an Verantwortung

Musielak wiederum schätzt es, weiterhin ihr eigener Herr zu sein und Verantwortung zu tragen, sobald sie im Führerstand sitzt. „Lotto brauche ich nicht mehr spielen“, sagt sie, „denn mit diesem Job habe ich meinen Sechser. Der Beruf erfordert ein hohes Maß an  Verantwortungsbewusstsein, Pflichtgefühl und ‚Fahrgastfreundlichkeit‘, diese Grundeinstellung sind in meinen Augen unabdingbar.“ Jahn nickt und ergänzt: „Man darf nicht vergessen: Wenn der Zug voll ist, beispielsweise im Berufsverkehr, dann hat man die Verantwortung, mehrere Hundert Menschen sicher von A nach B zu bringen. Inzwischen habe ich acht Freunde und Bekannte als Lokführer geworben, und allen habe ich vorher erklärt: Die Arbeit ist anspruchsvoll – bei jeder Fahrt.“


Die S-Bahn Berlin sucht Verstärkung: Hier erhalten Sie Informationen zur Aus- und Weiterbildung

 

 

Fotos: David Ulrich, Chris Flechtner, Sabine Adler
Text: Sabine Adler