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26.06.2014

Markgraf, Vogt und Konsul

Auf Schloss Bornholm residiert Olaf Markgraf von Bornholm, Vogt und Konsul der Hansestadt Lübeck. Hier wird das höfische Zeremoniell gepflegt und nach dem Aufheben der Tafel zum Menuett gebeten.

Das vermeintlich herrschaftliche Anwesen ist ein 18 Quadratmeter großes Wohnzimmer in einer Berliner Genossenschaftswohnung, der selbsternannte Graf heißt Olaf Müller und ist Triebfahrzeugführer bei der S-Bahn Berlin.

„Mit dem Einrichten eines Kabinetts im Stil des Barocks habe ich mir einen Traum erfüllt“, sagt Olaf Müller, der gern auch in die dazu passende Verkleidung schlüpft. Mit einem barocken Kostüm aus dem Supermarkt fing seine Leidenschaft für eine der wohl prächtigsten Epochen an. Zu einer Faschingsparty staffierten sich rein zufällig Olaf Müller, seine Schwester und sein Schwager mit fürstlicher Robe aus.

So wurde die Idee geboren, in der Folge die Schlössernacht in Potsdam und das Rokoko-Fest auf Schloss Friedrichsfelde zu besuchen. Zunächst inkognito, später standesgemäß von der weißer Perücke über den Gehrock bis hin zu den Schnallenschuhen. „In diesem Aufzug ist man beliebtes Foto-Objekt und lernt auch Gleichgesinnte kennen“, so der S-Bahn-Mitarbeiter. 2010 wurde sein Kleinod names Schloss Bornholm feierlich eröffnet:

„Durch meinen Umzug verfügte ich über ein zweites Wohnzimmer mit relativ hohen Decken. Da ich mir ohnehin einen würdigen Platz samt Rosette für einen Kronleuchter wünschte, entschloss ich mich, den gesamten Raum in ein Barockzimmer zu verwandeln“, erklärt der Hausherr.

 

Wo findet man die Möbel und Kleidung aus alten Zeiten?

Goldener Stuck, Standuhr, mit rotem Samt bezogene und mit Blattgold verzierte Stühle, venezianische Karnevalsmasken sowie Kamin: „Das meiste sind Nachbauten. Fündig wurde ich vor allem in arabischen Einrichtungsgeschäften“, verrät Müller, der sich nicht nur von der opulenten Mode sowie dem Interieur jener Zeit hinreißen lässt.

Tanzen wie früher

Längst hat er auch die Tänze, die einst in den Ballsälen von Versailles und Sanssouci das gesellschaftliche Miteinander bestimmten, für sich entdeckt. „Es handelt sich um so genannte Kontratänze, bei denen sich mehrere Paare gegenüber stehen und eine lange Gasse bilden. Im Verlauf wechseln die Tanzpartner stetig“, erklärt Olaf Müller das Prozedere.

Getanzt wird auch auf Schloss Bornholm – also im Müllerschen Wohnzimmer: „Wir stellen den Tisch beiseite und los geht‘s.“ Bis zu drei Paare können die Choreographien im Barockzimmer ausführen. Zahlreiche Filmaufnahmen zeugen von diesen Begegnungen. „Natürlich ist es nur eine kleine, mitunter auch eingeschworene Gruppe, die sich für diese Form des Tanzes interessiert. Ich suche noch eine Tanzpartnerin“, sagt der sympathische Junggeselle. Wer Interesse hat, erreicht Olaf Müller per Mail an herr_brodersen@gmx.de.

 

Unser Olaf im Beruf

Olaf Müller ist begeisterter Triebfahrzeugführer bei der S-Bahn Berlin GmbH. Täglich sorgt er dafür, dass seine Fahrgäste sicher an ihr Ziel gelangen. Seine Ausbildung begann der 49-Jährige als Elektromonteur bei der Deutschen Reichsbahn.

Doch ihm war früh klar, dass er vor allem eins werden wollte: Lokführer. Zunächst fuhr er Güterzüge. Seit 2002 ist er für die Berliner S-Bahn im Einsatz. Zwar ist er auf allen Strecken „zuhause“, aber Lieblingsrouten hat er dennoch. Dazu gehört die Linie S 8, weil sie eine Abwechslung vom sonst eher städtisch geprägten Charakter darstellt und dörflichen Charme aufweist.

Außerdem mag er die Linie S 25, weil sie als einzige noch an preußische Bauart erinnert. „Mütze“, „Kapitän“ oder „General“ wird Olaf Müller von einigen Kollegen genannt. Denn sein Faible für Uniformen macht auch vor seiner Dienstkleidung nicht Halt: Er erscheint meist mit Kopfbedeckung zum Dienst, die für Lokführer möglich, aber nicht zwingend vorgeschrieben ist.


Text: cb; Fotos: David Ulrich

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