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Wenn der Notarzt kommen muss

Interview mit den Verantwortlichen Thomas Elk und Tobias Mertens

 

20 Minuten dauert im Durchschnitt ein Notarzteinsatz im Zug. Ärgerlich für die Fahrgäste, weil sich die Fahrt verzögert, aber nötig, weil geholfen werden muss.

Fahrgäste stellten häufig folgende Fragen:

 

Warum ist der Verkehr viel länger gestört?

 

Tobias Mertens: Das stimmt, nach 20 Minuten ist nicht alles wieder in Ordnung. Züge und Personal mussten umdisponiert werden. Fahrzeuge sind nicht mehr dort, wo sie sein sollen und Schichtpläne der Triebfahrzeugführer kommen durcheinander. Bis alles wieder geordnet ist und nach Plan läuft, kann es ein bis zwei Stunden dauern.

 

Was passiert, wenn ein Notarzt gerufen werden muss?

 

Thomas Elk: Der reguläre Meldeweg geht vom Triebfahrzeugführer über den Fahrdienstleiter zur Notfallleitstelle der Betriebszentrale. Die ist zuständig für die Kommunikation mit den Einsatzkräften wie Feuerwehr, Polizei und in diesem Fall eben dem Notarzt. Der Zug wartet dann im Bahnhof auf den Notarzt


Tobias Mertens: Gleichzeitig setzt sich die Betriebszentrale mit uns – der Transportleitung – in Verbindung. Der Zug steht erst einmal, bis der Arzt die Lage eingeschätzt hat. Die Versorgung des Notfallpatienten hat natürlich absoluten Vorrang, erst an zweiter Stelle kommt die Aufgabe den Kunden einen verlässlichen Verkehr anzubieten.

 

Wer bestimmt, wie verfahren wird?

 

Thomas Elk: Wo der Notarzt behandelt, ist allein seine Entscheidung. Das hängt ganz von der Situation ab. Oft sprechen Gründe für eine Erstbehandlung im Zug. Das ist immerhin ein einigermaßen geschlossener Raum mit Dach über dem Kopf.

Tobias Mertens: Die erste Einschätzung der Lage bestimmt dann auch das weitere Vorgehen, und was wir den Kunden sagen können. Sie werden dann über die Störung und Alternativrouten zur Umfahrung informiert.

 

Und wer entscheidet, wie es mit dem Verkehr weitergeht?

 

Thomas Elk: Das macht die Transportleitung in enger Abstimmung mit der Betriebszentrale. Gemeinsam wird überlegt, was bei der bestehenden Verkehrslage möglich ist und wie reagiert werden soll .

Tobias Mertens: Das hängt natürlich davon ab, an welcher Stelle im Netz der Notarzt gebraucht wird. Problematisch wird es dort, wo nicht überholt werden kann. Dann entsteht ein Pfropfen, die nachkommenden Züge stauen sich und im Gegenverkehr geht alles weiter, da besteht die Gefahr, dass das halbe Netz gewissermaßen „leer gefahren wird“. In solchen Fällen muss man dann auch einmal die Verkehrsleistung vorübergehend absenken, in dem Züge vorzeitig gewendet oder umgeleitet werden.

Thomas Elk: So eine Stelle wäre zum Beispiel der Bahnhof Bellevue auf der Stadtbahn. Hier würden wir dann vorschlagen, dass abwechselnd je ein Zug pro Richtung am nicht blockierten Bahnsteig hält, das geht aber nur durch eine Taktausdünnung. Welche Linien dann fahren und welche Züge abgestellt werden sollen, das entscheidet die Transportleitung.

Tobias Mertens: Bei dieser Teamarbeit sind Personaldisponenten, Fahrzeugdisponenten und Mobilitätskoordinator gefragt, um die bestmögliche Lösung zu finden. Wir brauchen dann einen Plan, der unter den gegebenen Bedingungen umsetzbar ist und sich auch wieder stabil auflösen lässt, um den Takt wiederherzustellen.

Kann ein kurzer Einsatz kann große Auswirkungen haben?

 

Thomas Elk: Wenn es an einer Stelle hakt, muss meist auch an anderen Punkten nachgesteuert werden. Um eine Verspätung wieder aufzuholen, muss der Zug mindestens einmal bis zu seiner Endstation gefahren sein. Hier kann man über verkürzte Wendezeiten etwas gutmachen. Wenn das nicht ausreicht, kommen wir manchmal um zusätzliche Ausfälle – der Zug wendet auf einem vorgelegenen Bahnhof – nicht herum.

 

 

Thomas Elk,
in der Betriebszentrale zuständig für die Disposition auf der Infrastruktur

Tobias Mertens, Leiter der Transportleitung, zuständig für Fahrzeug- und Personaldisposition sowie Fahrgastkommunikation im Störfall

 


Gespräch mit Nina Dennert